Verkehrsrecht 2026 #04

Notstandsähnliche Situation bei plötzlichem Harndrang
Bei einem unter ihm bekannten Krankheitsbild „plötzlicher Harndrang“ leidenden Betroffenen liegt keine notstandsähnliche Situation vor, die zu einer Herabsetzung des Regelbußgeldes oder einer Einstellung des Verfahrens führt. (Leitsatz des Verfassers) AG Dortmund, Urt. v. 3.2.2026 – 729 OWi 224 Js 21/26 – 2/26 I. Sachverhalt Regelgeldbuße verhängt Das AG hat den Betroffenen wegen fahrlässiger Überschreitung […]
Bemessung der Rahmengebühren – hier: Terminsgebühr
Zur Bemessung der Terminsgebühr im amtsgerichtlichen Verfahren. (Leitsatz des Verfassers) AG Bad Neuenahr-Ahrweiler, Beschl. v. 9.7.2025 – 2 Cs 2030 Js 76894/22 (2) I. Sachverhalt Mittelgebühr mit oder ohne Abschlag? Nach Abschluss hat der Verteidiger des freigesprochenen ehemaligen Angeklagten u.a. auch die Erstattung der Terminsgebühr Nr. 4108 VV RVG in Höhe der Mittelgebühr beantragt, also nach […]
Aufsichtspflicht der Eltern betreffend sechsjähriges Kind mit Fahrrad
1. Ein Elternteil beaufsichtigt ein fast sechsjähriges Kind hinreichend, wenn das Kind in vertrauter Umgebung eines verkehrsberuhigten Bereichs regelmäßig und sicher Fahrrad fährt und die Aufsichtsperson das Kind im Abstand weniger Minuten im Blick hat. Eine lückenlose unmittelbare Sichtkontrolle der Eltern ist unter diesen Umständen nicht geboten. 2. Selbst aus etwaigen entwicklungspsychologischen Erkenntnissen zu kognitionsbedingten […]
Urteilsgründe beim gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr
Zu den Anforderungen an die Annahme eines vollendeten gefährlichen Eingriffs. (Leitsatz des Verfassers) BGH, Beschl. v. 18.11.2025 – 4 StR 492/25 I. Sachverhalt Verurteilung wegen versuchten Mordes und wegen „vorsätzlichem“ gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr Das LG hat den Angeklagten wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit „vorsätzlichem“ gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr zu einer Freiheitsstrafe […]
Versagung der Anerkennung einer ausländischen Fahrerlaubnis
1. Einer ausländischen Fahrerlaubnis ist nach § 28 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 FEV die Anerkennung im Inland nur dann zu versagen, wenn aufgrund von Angaben im Führerschein selbst oder anderen vom Ausstellungsstaat herrührenden unbestreitbaren Informationen feststeht, dass die Voraussetzung eines ordentlichen Wohnsitzes im Ausstellungsstaat zum Zeitpunkt der Fahrerlaubniserteilung nicht beachtet worden ist. 2. Die Aufzählung dieser […]
Straßenverkehrsgefährdung bei alltäglichen Unfällen
Bei alltäglichen Unfällen wie einem „Parkrempler“, bestehen bei einer Verurteilung wegen einer Straßenverkehrsgefährdung nach § 315c Abs. 1 Nr. 1 StGB erhöhte Feststellungsanforderungen hinsichtlich der Kausalität zwischen Fahruntüchtigkeit und konkreter Gefahr. (Leitsatz des Verfassers) OLG Dresden, Beschl. v. 2.12.2025 – 1 ORs 27 SRs 636/25 I. Sachverhalt Sprungrevision erfolgreich Das AG hat den Angeklagten nach einem „Parkrempler“ (wohl […]
Zulässigkeit von Rechtsmitteln des Adhäsionsklägers gegen Entscheidungen des erkennenden Gerichts
1. Einem Adhäsionskläger steht gegen Entscheidungen des erkennenden Gerichts über einen Adhäsionsantrag ein Rechtsmittel in Form der sofortige Beschwerde gemäß § 406a Abs. 1 Satz 1 StPO nur in den Fällen zu, in welchen das Gericht bereits vor einer verfahrensabschließenden Entscheidung gemäß § 406 Abs. 5 Satz 2 StPO mittels Beschlusses vollständig von einer Entscheidung über den Antrag abgesehen […]
Fahrverbot bei Wechsel auf die durch Rotlicht gesperrte Fahrtrichtung
1. Ein grundsätzlich mit einem Regelfahrverbot nach § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BKatV i.V.m. lfd. Nr. 132.3 BKat zu ahndender qualifizierter Rotlichtverstoß ist nicht deshalb milder zu bewerten, weil der Fahrzeugführer nach Einfahren in den Kreuzungsbereich von der durch Grünlicht frei gegebenen Linksabbiegerspur auf die durch Rotlicht gesperrte Rechtsabbiegerspur überwechselt. Dies gilt auch dann, wenn der Entschluss […]
VRRKompakt VRR_2026_04
Spurwechsel auf der Autobahn: gleichzeitiger Spurwechsel des Unfallgegners Im Falle eines Unfalls bei einem Spurwechsel auf der Autobahn spricht ein Anscheinsbeweis für einen Verstoß des Spurwechslers gegen § 7 Abs. 5 S. 1, § 18 Abs. 3 StVO. Der Spurwechsler muss den Anscheinsbeweis erschüttern, indem er den (Gegen-) Beweis für einen atypischen Geschehensablauf führt. Die bloße Möglichkeit, dass der Unfallgegner […]
„Und das dicke Ende folgt.“ – Entziehung der Fahrerlaubnis durch die Verwaltungsbehörde – eine Rechtsprechungsübersicht
Viele Mandanten meinen, dass mit dem Ende des Straf- oder Bußgeldverfahrens, das gegen sie wegen eines Vorfalls im Straßenverkehr eingeleitet worden ist, alles „geregelt“ ist. Das ist aber leider nicht der Fall. Denn häufig übersehen die Mandanten, dass nicht selten noch eine Reaktion der Verwaltungsbehörde erfolgt, die ggf. die Fahrerlaubnis nach dem StVG entzieht. Die […]
Keine Gefährdungshaftung nach § 7 StVG für E-Scooter
1. Als Elektrokleinstfahrzeuge im Sinne von § 1 eKFV sind E-Scooter von der Gefährdungshaftung des Halters aus § 7 StVG ausgenommen. 2. Die Darlegungs- und Beweislast für eine von der Betriebserlaubnis abweichende tatsächlich erreichbare Geschwindigkeit von mehr als 20 km/h trägt derjenige, der die Betriebsgefahr als haftungsbegründend geltend macht. 3. Es besteht kein Beweis des ersten Anscheins […]
Schadensersatz trotz Vorschaden
1. Der Geschädigte muss grundsätzlich, vor allem aber im Fall von Schadensüberlagerungen, den Umfang des Vorschadens und ggf. dessen Reparatur belegen, da sich der Ersatzanspruch lediglich auf den Ersatz derjenigen Kosten erstreckt, die zur Wiederherstellung des vorbestehenden Zustands erforderlich sind. 2. Der Geschädigte kann seiner Darlegungslast hinsichtlich einer in seiner Besitzzeit erfolgten Reparatur von Vorschäden […]
Klageabweisung bei „So-nicht-Unfall“
1. Steht nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme fest, dass sich der vom Kläger behauptete Unfallhergang unter den angegebenen Bedingungen nicht ereignet haben kann („So-nicht-Unfall“), ist die Klage bereits wegen Nichterweislichkeit des äußeren Tatbestands abzuweisen. 2. § 287 ZPO erleichtert zwar den Nachweis der Schadenshöhe; eine Schätzung (auch eines Mindestschadens) setzt jedoch tragfähige Anknüpfungstatsachen voraus und scheidet […]

Unser KI-Spezial

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