Die meisten Anwälte verbringen einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit mit Aufgaben, für die sie eigentlich überqualifiziert sind — Dokumente sichten, Sachverhalte zusammenfassen, Rechercheergebnisse strukturieren. Genau hier entfaltet KI schon heute echten Nutzen. Sie kann große Textmengen in Minuten auswerten, erste Entwürfe für Schriftsätze liefern oder Vertragsinhalte systematisch vergleichen.

Die Technik ersetzt nicht die juristische Bewertung — sie verschafft Anwälten mehr Zeit dafür. Im Kurs „KI für Anwaltskanzleien – mit Zertifikat“ zeigen David Schneeberger und ich an konkreten Beispielen aus dem Kanzleialltag, was heute realistisch funktioniert und wo man aufpassen muss.

 

Viele Juristinnen und Juristen sind beim Einsatz von KI noch zurückhaltend – insbesondere wegen Datenschutz, Berufsrecht oder möglicher Fehler der Systeme. Wie lassen sich diese Risiken verantwortungsvoll handhaben?

Die Bedenken sind absolut berechtigt. Und wer sie nicht ernst nimmt, macht einen Fehler. Datenschutz, Berufsrecht und Vertraulichkeit sind im anwaltlichen Umfeld nicht verhandelbar.

Die entscheidende Frage ist aber nicht ob man KI nutzt, sondern wie. Wer klare Regeln aufstellt, also welche Systeme eingesetzt werden, welche Daten hineindürfen und wie Ergebnisse geprüft werden, der kann KI verantwortungsvoll nutzen, ohne berufsrechtlich in Schwierigkeiten zu geraten.

Und die Fehler der Systeme, also zum Beispiel sogenannte Halluzinationen, schauen wir uns auch im Kurs an. Wir geben dabei ganz konkrete Hinweise, wie sich die Fehler stark reduzieren lassen. Und dennoch kommt kein Jurist an der Überprüfung der KI-Ergebnisse vorbei. Hier braucht es heute und in Zukunft natürlich noch den Menschen, der die Maschine steuert und korrigiert.

 

Ein Schwerpunkt Ihres Kurses ist das sogenannte „juristische Prompting“. Warum ist gutes Prompting gerade für Juristen so entscheidend?

Viele Kolleginnen und Kollegen, die KI ausprobiert haben, waren von den Ergebnissen enttäuscht und haben dann aufgehört. Das Problem ist aber häufig nicht die KI, sondern die Anweisung, also der Prompt.

Das Interessante ist, dass Juristen eigentlich die besten Voraussetzungen mitbringen. Wer täglich komplexe Sachverhalte strukturiert und präzise formuliert, hat das Handwerkszeug für gutes Prompting bereits. Man muss es nur richtig übersetzen, zum Beispiel der KI eine klare Rolle geben, den Kontext sauber definieren und die Aufgabe eingrenzen.

Im Kurs zeigen wir das ganz praktisch an juristischen Fragestellungen. Die Teilnehmenden merken schnell, dass der Unterschied zwischen einem brauchbaren und einem nutzlosen Ergebnis oft in zwei, drei Sätzen liegt.

 

Sie zeigen im Intensivkurs konkrete Workflows und den Einsatz von KI-Assistenten. Welche Aufgaben im Kanzleialltag lassen sich heute bereits besonders sinnvoll mit KI unterstützen?

Am meisten bringt KI dort, wo Anwälte viel lesen müssen, bevor sie eigentlich anfangen zu arbeiten: umfangreiche Verträge analysieren, Due-Diligence-Unterlagen sichten, Schriftsätze der Gegenseite auswerten.

Aber der eigentliche Hebel liegt heute nicht mehr nur im einzelnen Prompt, sondern im Workflow. Wenn man mehrere Schritte intelligent verkettet, etwa erst den Vertrag analysieren lassen, dann die Risiken strukturieren und daraus einen Vermerk generieren, dann spart man nicht Minuten, sondern Stunden.

Im Kurs zeigen wir neben den Grundlagen auch solche Workflows und KI-Assistenten, die verschiedene Arbeitsschritte übernehmen. Wir wollen den Teilnehmenden möglichst viel mitgeben, das sie direkt in ihrer Praxis einsetzen können.

 

Nach dem Intensivkurs können Teilnehmer das Zertifikat „Experte für KI in der Rechtsbranche“ erhalten: Welche Kompetenzen bringt diese Person anschließend in die Kanzlei mit?

Nach dem Kurs können die Teilnehmenden drei Dinge, die in den meisten Kanzleien noch niemand kann: Sie wissen, welche KI-Werkzeuge für welche Aufgaben taugen. Sie können Risiken wie Datenschutz und Halluzinationen einschätzen und absichern. Und sie kennen Anwendungsmöglichkeiten, die sie sofort in ihren Arbeitsalltag integrieren können.

Das macht sie in ihrer Kanzlei automatisch zur ersten Anlaufstelle, wenn es um den praktischen Einsatz von KI geht. Und das ist immer noch ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

 

Herzlichen Dank, Daniel Halft! Es wird deutlich: Der Einsatz von KI ist keine Zukunftsfrage mehr, sondern bereits Teil des anwaltlichen Alltags. Entscheidend ist, die richtigen Kompetenzen im Umgang damit aufzubauen.

Das Interview führte Julia Schmidt