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Zwangsweise erfolgreich? Die Zwangsvollstreckung als smarte Anwaltsnische

In vielen Kanzleien ist sie ein Stiefkind, eine Art müßiges Pflichtprogramm nach erstrittenen Titeln: Die Rede ist von der Zwangsvollstreckung. Ihr eilt seit jeher ein mäßiger Ruf voraus: kaum einträglich, wenig Prestige, und eigentlich habe man auch keine Mitarbeiter, die dieses Ressort im Büro routiniert und smart beherrschen. Über diesen Juristensound lächeln dann die Kollegen, die im Vollstreckungsrecht zuhause sind und diese Nische auch geschickt in ihre Kanzleistrategie gewoben haben. Zeit für einen Blick auf ein paar Fakten, die für diesen attraktiven Juristenacker sprechen.

 

Unterschätzter Bedarf – auf der Jagd nach ihrem Geld sind viele Mandanten

Kürzlich wies der vorgestellte Schuldneratlas 2025 der Wirtschaftsauskunftei Creditreform unangenehmere Zahlen aus als ohnehin schon: Fast 5,7 Mio. Erwachsene sind überschuldet, ein Plus von rund 111.000 im Vergleich zum Vorjahr. Nach vielen Jahren beschleunigt das Schuldenkarussell wieder und mit ihm steigen die Verbindlichkeiten im Alltags- und Wirtschaftsleben. Viele wirtschaftlich prekäre Situationen sind noch gar nicht erfasst, da sie noch im Verborgenen liegen. Das Feld potentieller Mandanten ist größer als angenommen. Von Privatleuten, die gerichtlich erstrittenen Forderungen hinterherlaufen, über Vereine und kleine Handwerkerfirmen bis hin zu Unternehmen mit hohen Außenständen: Eine wachsende Klientel will ihr Geld zurück oder sucht Rat, wie ein geschickter Zugriff bei Schuldnern aussehen kann. Diese Unterstützung suchen sie nicht allein bei Inkassobüros, sondern auch bei Anwälten.

Viele Betroffene assoziieren mit einer Vollstreckung immer noch den gemächlichen Gang eines Gerichtsvollziehers, der sich mit Aktentasche zum Schuldner aufmacht. Das umfassende Vollstreckungswerkzeug, auf das Anwälte zurückgreifen können, kennen sie nicht. Dabei geht es oft um mehr als Geldforderungen, denn zur Vollstreckungspraxis gehören auch die unvertretbaren Handlungen nach § 888 ZPO, also beispielsweise ein tituliertes Arbeitszeugnis durchzusetzen, oder auch um den Zugriff im Ausland, was Kenntnisse ausländischer Vorschriften und Zuständigkeiten notwendig macht.

 

Es gibt was zu holen: Mit juristischem Know-how und Wissensvorsprüngen Mandanten binden

Abgesehen von der oben skizzierten Nachfrage: Viele Juristen unterschätzen die Chancen und Bindungsstärke des Vollstreckungsrechts. Geschickt zu vollstrecken bedeutet mehr, als die gängige Gläubigermühle zu starten, also Vermögensauskünfte einzuholen oder Konten zu pfänden. Einige Anwälte spezialisieren sich auf verschiedenste Ansätze, um Mandanten zum Erfolg zu verhelfen: Zugriff auf Kryptogeld, Aufspüren von ausgelagertem Vermögen bei Neobanken, Social-Media– und Online-Recherchen, wenn Nebeneinkünfte oder verschwiegener Besitz vermutet werden. Eine Kanzlei, die sich insoweit perspektivisch gezielt ausrichtet und Erfahrungswerte sammelt, punktet bei Mandanten, die ihre Forderungen schnell realisiert sehen wollen, ohne dass „ins Blaue hinein“ vollstreckt wird.

Ein weiteres Merkmal von Vollstreckungsmandaten: Während ein Rechtsstreit häufig lange dauern kann und mit ungewissen Prognosen verknüpft ist, kann eine Vollstreckung zu schnellen Erfolgen führen, mitunter gar Existenzen sichern. Hiervon berichten Mandanten dann gern im persönlichen Umfeld, stützen damit die Akquise der Kanzlei und den Zufluss neuer Vollstreckungsangelegenheiten.

 

KI in der Zwangsvollstreckung – wann Ihnen Bots unter die Arme greifen

Viele kleinere Aufgaben in der Vollstreckung kosten Zeit und lassen sich KI-gestützt zielführend leichter erledigen. ChatGPT beispielsweise kann Ihnen in konkreten Situationen helfen. Die folgenden Prompt-Beispiele zeigen Ihnen Möglichkeiten einer KI-Zuarbeit.

 

Beispiel 1: Ermittlung Drittschuldneradresse

Oft eine lästige Sache: die zentrale Adresse von Banken und Kreditinstituten ermitteln, bei denen Vollstreckungsangelegenheiten zentral bearbeitet werden.

Prompt: „Bündelt die XY-Bank in Deutschland in einer zentralen Geschäftsstelle/Niederlassung die Bearbeitung von Vollstreckungssachen, so dass diese Adresse als Drittschuldneranschrift verwendet werden kann?“

 

Beispiel 2: Verborgene Einkunftsquellen und Nebenverdienste ans Licht bringen

Schuldner zu überprüfen, bei denen man Neben- bzw. Hinzuverdienste vermutet, erfordert oft ein Screening, wobei nicht selten deren Qualifikationen zu berücksichtigen sind.

Prompt: „Ein Schuldner geht vermutlich einem Nebenverdienst nach als … /im Bereich .. im Ort/der Region XY nach. Er ist … [kurzes Profil Schuldner]. Ich vermute, dass er seine Dienstleistungen/Leistungen/Angebote auch online bewirbt. Auf welchen Onlineplattformen, in welchen Foren oder auf sonstigen Webseiten könnte er dies tun? Berücksichtige dabei auch den lokalen Bezug/seinen Wohnort. Gab es kürzlich Neugründungen von kleinen Firmen/Gewerben, die zum Schuldnerprofil passen? Wie könnte ich weitere Schritte bei der Suche/Ermittlung unternehmen?“

 

Kanzleiteam für das Ressort fit machen

Auch fachfremde Kanzleien können sich schwerpunktbezogen auf die Zwangsvollstreckung ausrichten. Grundzüge und auch Expertenwissen sind im Vollstreckungsrecht gezielt zu erwerben und lassen sich durch einen perspektivischen Anstieg solcher Mandate auch fokussiert vertiefen.

Literatur oder Online- und Präsenzkurse sind gute Ansätze, um Basis- und Fortgeschrittenen-Wissen auf- und auszubauen. Dabei wird häufig erst bei intensiverer Beschäftigung mit der Materie die verästelte Themenbreite der Vollstreckung erkannt – und damit auch die Chancen, die sich aus einer Spezialisierung auf diesem juristischen Terrain ergeben. Kontakte zu Kollegen, die im Vollstreckungsrecht zuhause sind, oder zu Rechtspflegern und Gerichtsvollziehern sind ebenso für einen Austausch empfehlenswert wie der regelmäßige Blick auf die vorangetriebene Digitalisierung der Zwangsvollstreckung, wie sie auch ein aktueller Gesetzesentwurf vorsieht.

In der Online-Bibliothek Anwaltspraxis Wissen finden Sie nicht nur zahlreiche Medien mit Musterformulierungen, Beispielen und konkreten Handlungsempfehlungen zu Vollstreckungsmandaten, sondern auch den regelmäßigen, kostenlosen Infobrief Zwangsvollstreckung.

Mit der Zunahme von Vollstreckungsmandaten steigt auch das gekonnte Schuldner-Screening in Form von Internetrecherchen oder der Auswertung seitens der Gläubiger eingereichten Unterlagen und Hinweise auf Vermögen, Job und Einkommenssituation.

Viele Kanzleien haben in ihrem Netzwerk Kontakte zu Detekteien eingewoben, mit denen sie im engen Austausch stehen und bei Bedarf kooperieren, wenn es Vor-Ort-Recherchen zu Schuldnern notwendig machen. Eine Zusammenarbeit ermöglicht Juristen auch, am Erfahrungsschatz erfahrener Ermittlung teilzuhaben und in Einzelfällen auch Hilfe und Hinweise für laufende Vollstreckung zu erhalten.

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