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Vier Generationen am Arbeitsplatz: Über Herausforderungen und Chancen generationenübergreifenden Arbeitens

Die Menschen leben länger und gehen später in Rente als noch vor 20 Jahren. Das führt dazu, dass in vielen Unternehmen und Kanzleien derzeit vier Generationen gleichzeitig beschäftigt sind: Baby Boomer, Generation X, Generation Y und Generation Z. Sie sind Praktikanten, Studenten, Referendare, Anwälte oder Seniorpartner und es trennen sie bis zu 40 Jahre Altersunterschied.

Kann da eine Zusammenarbeit reibungslos funktionieren oder sind Probleme vorprogrammiert?

Vier Generationen, viele Unterschiede

Über die Eigenschaften der vier Generationen wurde schon viel geschrieben. Je nachdem, wen man fragt, begegnen einem da auch hartnäckige Vorurteile. Die vier Generationen sind im Einzelnen:

Baby Boomer (ca. 1950-1965): Die älteste der hier thematisierten Generationen erhielt ihre Bezeichnung durch die besonders hohe Geburtenrate. Für viele der Baby Boomer ist bzw. war die Arbeit der Lebensmittelpunkt. Sie gelten als hart arbeitende Workaholics, fleißig und eher konservativ. Große Teile dieser Generation müssen ihrerseits im Alltag die Bedürfnisse von Familienangehörigen verschiedener Generationen – der eigenen Eltern und der Kinder – miteinander vereinbaren. Die Baby Boomer sind entweder schon im Ruhestand oder beschäftigen sich gedanklich mit der bevorstehenden Rente. Die Lücke, die diese Generation in den Unternehmen hinterlässt, ist eine der Ursachen des sich zunehmend verschärfenden Fachkräftemangels.

Generation X (ca. 1966-1980): Die Generation X leitet ihre Bezeichnung vom gleichnamigen Roman des Autors Douglas Coupland ab. Ihre Angehörigen legen Wert auf beruflichen Aufstieg, im Gegensatz zu den Baby Boomers und deren Elterngeneration halten sie aber auch eine gewisse Work-Life-Balance für erstrebenswert. Der Generation X gehören viele Scheidungskinder an. Sie gelten als vergleichsweise unabhängig und autonom. Die Angehörigen der Generation X wurden teils erst im Erwachsenenalter mit der Digitalisierung konfrontiert. Das fordert und überfordert einige von ihnen und sorgt dafür, dass Teile dieser Generation den digitalen Neuerungen der letzten 15 Jahre (z.B. dem Austausch und der Präsenz auf Social Media) eher skeptisch gegenüberstehen.

Generation Y (ca. 1981-2000): Die sog. Millennials lieben es, alles kritisch zu hinterfragen, auch Chefs und andere Autoritäten. So entstand die Doppeldeutigkeit des Begriffs Generation Y (sprich: Why?). Es ist aber auch die Generation der Avocado Toasts, Flat Whites und flotten Auslandsaufenthalte. Sie steht den digitalen Neuerungen offen und vorbehaltlos gegenüber. Die Jüngeren dieser Generation sind mit dem Smartphone groß geworden (digital natives) und verbringen entsprechend viel Zeit im Netz. Das und die Tatsache, dass sie nicht weniger als die Welt verändern möchten, führt dazu, dass sich unter ihnen viele Start-up-Gründer und Entrepreneure befinden. Die Millennials gelten als idealistisch, hoffnungsvoll und bestimmt, streben nach Selbstverwirklichung (wichtiger als hohes Gehalt) und Work-Life-Blending. Kritiker hingegen bezeichnen sie als verwöhnt, faul, überempfindlich und unreflektiert.

Generation Z (ab ca. 2001): Die Ältesten der Generation Z belegen bereits die ersten Semester in den Unis. Diese Generation ist konservativer als die Millennialsund befürwortet eher eine Trennung von Beruf und Privatleben (also eher Work-Life-Balanceals Work-Life-Blending).

Über die genaue Zuordnung einzelner Jahrgänge zu den Generationen gibt es unterschiedliche Meinungen. Und auch vor dem Hintergrund, dass zwischen den Angehörigen innerhalb jeder Generation bis zu 20 Jahre liegen, erscheint es umso wichtiger, nicht zu pauschal zu urteilen und vielmehr stets auch das jeweilige Individuum im Blick zu haben.

Ok, Boomer.

Doch zurück zur Ausgangsfrage: Halten uns generationsbedingte Stereotype davon ab, effizient miteinander zu arbeiten? Die Überschriften entsprechender Artikel, die sich mit den verschiedenen Generationen im Arbeitskontext beschäftigen, stimmen jedenfalls nicht gerade hoffnungsfroh:

“9 to 5 ist so Boomer“

“Die 35-Jährigen haben Angst vor den 23-Jährigen, die für sie arbeiten“

“Millennials ohne Arbeitsmoral? Was sie brauchen, um im Job motiviert zu sein“

“Generation Z – Erst das Vergnügen, dann die Arbeit“

Die Herausforderungen sind also durchaus gegeben: Jede Generation denkt, ihre Auffassung von Arbeit sei die richtige. Sowohl Kommunikation als auch Kooperation werden erschwert, wenn der Eine z.B. die Zusammenarbeit mit virtuellen Projektmanagement-Tools befürwortet, die ältesten Mitarbeiter aber womöglich schon mit der souveränen Bedienung ihres Smartphones überfordert sind.

Neben den tatsächlichen – z.B. technischen – Fähigkeiten stehen aber ebenso oft Mindset-Fragen einem gelungenen Miteinander im Wege. Während die ganz Jungen meinen, nicht genug skills mitzubringen, sind die Älteren der Ansicht, oftmals nicht mehr mithalten zu können.

Doch die Vorteile des Zusammenarbeitens liegen auf der Hand: die Weisheit und Erfahrung der Älteren, gepaart mit aktuellem Wissen und frischer Perspektive jüngerer Mitarbeiter – diese Kombination birgt enorm viel unausgeschöpftes Potenzial. Wichtig ist, dass sich alle Seiten der Thematik bewusst sind. Hier ist kreatives Führen gefragt. Es gilt, die Möglichkeiten und Chancen des generationenübergreifenden Arbeitens zu erkennen, dabei aber die Herausforderungen nicht kleinzureden, sondern bewusst zu berücksichtigen. So kann eine effiziente, harmonische und für alle gewinnbringende Zusammenarbeit gelingen.

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