Die Gewinnung und Ausbildung von qualifizierten Nachwuchskräften sind für viele Kanzleien zur strategischen Herausforderung geworden. Wer heute ausbildet, trifft auf eine Generation, die mit neuen Werten, Erwartungen und Kompetenzen in die Arbeitswelt startet: die Generation Z. Doch was macht diese Auszubildenden eigentlich aus – und wie können Sie als ausbildende Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt Ihre Ausbildungspraxis erfolgreich darauf abstimmen?
Wer ist die Generation Z – und was prägt sie?
Als Generation Z gelten meist die Geburtsjahrgänge zwischen ca. 1997 und 2012 – also junge Menschen, die mit Smartphones, Social Media und digitaler Vernetzung aufgewachsen sind. Ihre Jugend war von raschem technologischem Wandel und gesellschaftlichen Krisen geprägt, etwa durch Pandemie, Klimawandel oder politische Unsicherheiten.
Die Gen Z sucht nach Sicherheit, aber auch nach Sinn und Wertschätzung im Arbeitsleben. Gleichzeitig bringt sie digitale Kompetenzen, schnelle Informationsverarbeitung und ein starkes Bedürfnis nach klarer Kommunikation mit.
86 % der unter 30-Jährigen geben an, „voll und ganz“ oder „eher“ zufrieden mit ihrer Arbeit zu sein. Besonders wichtig ist ihnen dabei ein gutes Arbeitsklima, eine gute Bezahlung, eine ausgeglichene Work-Life-Balance sowie eine gute Einarbeitung – all das besagt der kürzlich erschienene DAK-Gesundheitsreport 2025.
Was bedeutet das für Ihre Ausbildungspraxis?
Kommunikationsstil
Azubis der Gen Z bevorzugen klare Ansagen und eine offene Kommunikation auf Augenhöhe. Sie sind es gewohnt, Rückmeldung schnell zu erhalten – ob über Likes auf Social Media oder Chatnachrichten. Das bedeutet für den Ausbildungsalltag: Feedback sollte regelmäßig, konkret und wertschätzend erfolgen. Auch digitale Kommunikationsmittel und Tools werden oft intuitiv genutzt.
Team statt Hierarchie
Die junge Generation hat oft ein modernes Verständnis von Arbeit: Verantwortung übernehmen sie gerne – aber in einem respektvollen Miteinander. Starre Hierarchien oder rein autoritäre Ansagen wirken häufig abschreckend.
Mehr als nur ein sicherer Job
Gehalt, Sicherheit und Perspektive bleiben auch in dieser Generation wichtige Faktoren. Doch viele junge Menschen wünschen sich zusätzlich Sinnhaftigkeit, Entwicklungsmöglichkeiten und ein positives Arbeitsklima. Eine Ausbildung, die nur auf das Abarbeiten klassischer Routinen ausgerichtet ist, wirkt schnell demotivierend.
Lernverhalten
Die Generation Z lernt gerne praxisorientiert. Lange Frontalerklärungen überfordern eher, während digitale Lernformate, kurze Erklärvideos oder Lern-Apps gut angenommen werden. Ein klarer Vorteil für Kanzleien, die moderne Ausbildungsformen nutzen möchten.
Digitale Kompetenzen als Ressource erkennen und nutzen
Viele Auszubildende der Generation Z bringen digitale Grundkompetenzen mit, die für Kanzleien eine wertvolle Ergänzung sein können – vom sicheren Umgang mit Office-Anwendungen bis zur Affinität für digitale Tools.
Nutzen Sie diese Stärken, indem Sie Azubis gezielt mit kleineren Digitalprojekten betrauen oder ihnen Aufgaben im Kanzleimarketing überlassen. Wer junge Mitarbeitende ernst nimmt und gezielt ihren Kompetenzen entsprechend einbindet, fördert die Motivation und Bindung ans Team.
Typische Missverständnisse und Vorurteile – und was wirklich dahintersteckt
Laut dem DAK-Gesundheitsreport 2025 erleben 28 % der Beschäftigten der Gen Z regelmäßig Generationenkonflikte. Häufig fühlen sich junge Beschäftigte dabei missverstanden oder unterschätzt, was sich negativ auf die Arbeitszufriedenheit auswirkt. In Kanzleien mit kleinen Teams können solche Spannungen besonders spürbar sein. Wichtig ist es daher, Vorurteile nicht vorschnell zu übernehmen, sondern zu hinterfragen und die Hintergründe zu verstehen.
„Die wollen doch gar nicht richtig arbeiten“
Die Gen Z arbeitet durchaus gerne – nur anders: in gut strukturierten Aufgaben, mit Sinnbezug und konstruktivem Feedback. Dauerhafte Überforderung, fehlende Einarbeitung oder monotone Routinen ohne nachhaltigen Lernwert wirken demotivierend.
„Die sind zu empfindlich“
Viele junge Menschen haben ein hohes Bewusstsein für respektvollen Umgang und ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Klarheit. Das bedeutet natürlich nicht, dass keine Kritik möglich ist – sie sollte nur sachlich, begründet und lösungsorientiert formuliert sein. Zudem nimmt die Generation Z psychische Belastungen ernst – und spricht sie an. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Reflexionsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein.
„Früher musste man sich hocharbeiten – heute wollen sie alles sofort“
Tatsächlich geht es der Generation Z weniger um schnelle Karriere als um nachvollziehbare Entwicklungsperspektiven. Wer gute Ausbildungsqualität bietet, gezielt fördert und transparent kommuniziert, schafft Orientierung und verringert das Gefühl, man müsse „alles sofort“ erreichen.
Fazit: Wer die Gen Z versteht, bildet erfolgreicher aus
Die Generation Z bringt vieles mit, was moderne Kanzleien brauchen: digitale Affinität, Teamorientierung, Lernbereitschaft und ein Gespür für ein gutes Miteinander. Wer also als ausbildende Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt offen auf diese Generation zugeht, klare Rahmenbedingungen schafft und gleichzeitig moderne Ausbildungswege nutzt, profitiert nicht nur von motivierten Auszubildenden, sondern positioniert sich als attraktiver Ausbildungsbetrieb und stärkt langfristig die Zukunftsfähigkeit der eigenen Kanzlei.





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