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Was kostet Ihr Ziel?

Hatten Sie zu Beginn dieses verrückten Jahres eigentlich irgendwelche guten Vorsätze? Falls sie Ihnen im Laufe der Monate irgendwie abhanden gekommen sein sollten, würde ich behaupten: Das ging vielen von uns so in dieser außergewöhnlichen Zeit. Auch ohne Pandemie verlaufen aber immer wieder unsere guten Vorsätze im Sande, egal ob wir sie zu Beginn eines neuen Jahres gefasst haben oder einfach mittendrin im Juni oder Oktober, denn planen und Dinge verändern und anpassen können wir natürlich das ganze Jahr.

In den letzten Monaten ist es ein bisschen zäh geworden, das Planen, denn wir mussten uns alle immer wieder neu einstellen auf veränderte Situationen und viele ungewohnte Vorgaben von außen. Das Pläneschmieden, das so oft mit viel Vorfreude verbunden ist, ist bei vielen von uns etwas in den Hintergrund getreten und das ist ganz normal, denn unsere Energie brauchten wir in besonderer Weise für unseren an so vielen Stellen ungewohnten und anders gewordenen Alltag.

Vielleicht hat das Jahr 2020 aber auch – was unsere Pläne angeht – sein Gutes. Denn wir hatten viel Gelegenheit, zu reflektieren und zu schauen, was von all den Dingen in unserem Leben eigentlich wirklich gut passt. Erstaunt waren wir an einigen Stellen über das, was gar nicht fehlte als es weg war. Noch deutlicher wurde das, was uns am Herzen liegt, weil wir es plötzlich sehr vermissen. Auch im Arbeitsalltag haben sich diese Dinge gezeigt. Das ist wertvoll für unsere Pläne. Denn je mehr sie im Einklang stehen mit dem, was wir wirklich gern verwirklichen möchten, umso eher werden wir tatsächlich losgehen.

Und für das auch wirklich Losgehen können wir uns selbst unterstützen, indem wir darauf achten, was genau wir uns vornehmen. Beispiel: „Eigentlich müsste ich mich im neuen Jahr mal mehr mit meinen Mitarbeiter*innen zusammensetzen“ könnte dazu führen, dass Sie nicht so richtig in Schwung kommen. Aber es gibt ein paar Punkte, die uns helfen – der letzte ist der wichtigste:

  • Konkret und messbar formulieren
  • Positiv formulieren
  • Selbst initiierbares Ziel wählen
  • Klar den Zusammenhang ausmalen
  • Kosten checken

Konkret und messbar formulieren

Ersetzen Sie das „Eigentlich müsste ich mich“ durch ein „Ich werde“ und denken Sie vor allem daran, dass „eigentlich“ ein richtiges Alarmwort ist. Wenn Sie „eigentlich“ denken, steckt sicher schon irgendeine Ausrede dahinter, warum es eben doch nicht geht.

„Mehr zusammensitzen“ ist nicht überprüfbar, denn es bleibt diffus. Machen Sie es ganz konkret, sodass Sie Haken dahinter setzen können. „In 2021 werde ich alle 2 Monate eine Teamsitzung veranstalten“. Oder eben jeden Monat oder einmal im Vierteljahr. So, wie Sie es eben entscheiden.

Positiv formulieren

Jedes „nicht“ muss von unserem Gehirn erst einmal umformuliert werden und diese Arbeit können wir ihm abnehmen. Aus einem „Ich will die Teamsitzungen im Alltag nicht immer hinten runterfallen lassen“ wird ein „Ich werde regelmäßige Teamtreffen veranstalten“.

Selbst initiierbares Ziel wählen

Ein Ziel muss aus eigener Kraft erreichbar sein. An einem „Meine Kollegen sollen in den Teamsitzungen nicht mehr so viel meckern“ können Sie sich herrlich abarbeiten. Sie müssten immer auf die Entscheidung der Kollegen warten, nicht mehr zu meckern. Was können Sie also selbst tun? „In meinen Teamsitzungen werde ich eine konstruktive Atmosphäre schaffen, indem ich sie effektiv strukturiere, aktiv zuhöre und den Mitarbeiter*innen Gelegenheit gebe, ihre Ideen einzubringen“ hat da eine ganz andere Kraft.

Klar den Zusammenhang ausmalen

Wofür soll Ihr Vorhaben denn eigentlich gut sein? Malen Sie sich möglichst bunt aus, wie Sie durch die Energie der konstruktiven Sitzungen die Zusammenarbeit und damit auch die Dienstleistung der Kanzlei auf ein neues Level heben. Wie fühlt sich das an?

Kosten checken

Der wichtigste Punkt zum Schluss – was ist eigentlich das Gute an der jetzigen Situation? Es gibt ja irgendeinen Grund, warum Sie sich bisher nicht so verhalten haben, wie Sie es für die Zukunft vorhaben. Möglicherweise habe Sie selbst nicht Recht Lust zu den Teamsitzungen, weil ja immer auch anderes zu tun ist. Oder es sind Konflikte vorhanden, die einfach nerven und die anzusprechen und zu klären, Zeit und Energie kostet. Und irgendwie läuft es ja auch so.

Schauen Sie sich die Kosten gut an – sind Sie bereit, den Aufwand hinzunehmen? Die Konflikte auszuhalten, die Probleme auf den Tisch zu legen? Wenn der Wunsch nach einer Veränderung nicht groß genug für diese Anstrengung ist, können Sie es lassen und brauchen sich selbst nicht damit unter Druck zu setzen. Oder Sie entscheiden sich, es anzugehen und dann können Sie an den oberen Punkten noch ein wenig schrauben. Bis Sie das Ziel selbst so gut finden, dass Sie die Kosten akzeptieren können.

Bei alledem – seien Sie unbedingt freundlich zu sich selbst! Es nützt ja nichts, sich auch noch selbst zu verurteilen, wenn etwas doch wieder nicht hineingepasst hat in die Woche, die Monaten, das Jahr vielleicht sogar. Vielleicht war es das falsche Ziel. Vielleicht war Pandemie. Vielleicht braucht es noch ein wenig Zeit, Information oder Unterstützung. Und vielleicht war es einfach noch nicht so formuliert, dass Sie begeistert losgehen konnten. Dann formulieren Sie neu und legen los – der Jahreswechsel ist dafür immer ein guter Zeitpunkt.

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