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Mastermind: Die Intelligenz der Gruppe

Mastermind, Mentoring, Coaching – die buzzwords der Persönlichkeitsentwicklungsbranche liest man seit einigen Jahren überall. Doch ist das auch etwas für Anwälte?

Was ist eine Mastermind-Gruppe?

Mastermind, das ist – im Wesentlichen – die harmonische Zusammenkunft  einer kleinen Gruppe von Menschen zwecks Lösung ihrer Probleme. Dabei  sitzt ein Teilnehmer auf dem „heißen Stuhl“ und berichtet über seine aktuelle Situation, akute Probleme, die er  lösen muss oder Ziele, die er sich gesteckt hat und die Hürden auf dem  Weg dahin. Die Anderen aus der Gruppe steuern daraufhin im Rahmen eines  gemeinsamen brainstormings ihre Ansichten, Strategien und Lösungsansätze bei.

Abgrenzung von Mastermind zu Mentoring und Gruppen-Coaching

Die Abgrenzung von Mastermind zu anderen Formaten fällt relativ leicht: Mentoring findet eins zu eins statt und beim klassischen Gruppen-Coaching gibt  der Coach selbst keine Ratschläge, sondern hört nur zu, stellt gezielt  Fragen und bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Auch das Kernelement einer  Mastermind-Gruppe fehlt beim Coaching: das gemeinsame brainstorming.

In einer Mastermind-Gruppe steht der Austausch im Vordergrund. Das schließt den Moderator (engl. facilitator)  ein. Die Inhalte sind nicht von dem moderierenden Mitglied vorbereitet,  sondern ergeben sich aus den Anliegen und Problemen der Teilnehmer.

Was bringt mir eine Mastermind-Gruppe?

Die Beteiligten können viel aus einer Mastermind-Session mitnehmen, denn die Gruppe dient diversen Zwecken:

  • Ein offenes Ohr finden: Als Anwalt oder  Unternehmensjurist erhält man die Möglichkeit, in vertrauensvoller,  wohlwollender und verständnisvoller Kollegen-Runde offen über die  eigenen Probleme und Zielsetzungen sprechen zu können. Ohne Verurteilung  durch Dritte oder Konkurrenzgedanken.
  • Erkenntnisgewinn durch Zuhören: Während andere Gruppenteilnehmer ihre Herausforderungen schildern,  lernt man oftmals dazu und vermeidet bestenfalls, manch einen Fehler  selbst zu begehen. Außerdem beruhigt es, zu erkennen, dass man mit  seinem Problem nicht allein ist.
  • Gemeinsame Lösungsfindung: Das brainstorming zur jeweiligen Problematik erzeugt viele Ideen und das konstruktive  Feedback offenbart Methoden, die man bei der Grübelei im stillen  Kämmerlein womöglich gar nicht in Erwägung gezogen hätte.
  • Persönlichkeitsentwicklung: Inspiration fördert Reflexion und Motivation.
  • Mindset-Arbeit: Die Neujustierung des Fokus – weg  von negativer Problemfixierung und hin zur positiven Aussicht möglicher  Lösungskonzepte – setzt Energie frei.
  • Networking: Der Austausch unter Kollegen dient der Erweiterung des persönlichen Netzwerks.
  • Accountability als Ansporn: Die Teilnehmer berichten der Gruppe über die Entwicklungen, Erfolge und seit dem letzten Treffen gewonnenen Einsichten.

Was sollte man bei der Gründung einer Mastermind-Gruppe beachten?

Es ist vorteilhaft, wenn die Gruppe in gewissen Aspekten eine Homogenität aufweist, sei es bezüglich des beruflichen Hintergrunds ihrer  Mitglieder (z.B. des Fachgebiets) oder des Ziels, das sie verfolgen  (z.B. Marketing-Maßnahmen zur Mandantengewinnung). Ein 55-jähriger  Großkanzlei-Partner und ein 28-jähriger Einzelanwalt leben z.B. in  vielerlei Hinsicht in verschiedenen Welten. Das kann zuweilen  erfrischend sein, zu beachten ist jedoch, dass ein solcher Austausch  nicht einseitig nur dem Unerfahreneren nutzen soll. Ziel einer  Mastermind-Gruppe soll gerade das Win-Win für alle Beteiligten sein.

Ein Moderator bringt Gleichgewicht in die Gruppe, die mit etwa 4-12  Leuten diverse Charaktere mit unterschiedlichen Stärken und Erfahrungen  vereint. Er orchestriert sie und sorgt beispielsweise dafür, dass zu  laute Stimmen sich zurücknehmen und auch leisere Gehör finden.

Probieren Sie es doch einmal aus! Die durch den Austausch  entstehenden Synergien werden Ihr persönliches und berufliches Wachstum  fördern. Und schließlich werden Sie erkennen, dass Aristoteles Recht  hatte: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

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