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Der Kaffee ist fertig – Wissenshappen zum beliebten Heißgetränk

Wir Deutschen sind ein Volk von Kaffeetrinkern. Etwa 90% der Erwachsenen genießen täglich im Schnitt drei Tassen Kaffee. Das sind etwa 165 Liter pro Kopf im Jahr, mehr als eine Badewanne voll. Die Spanne geht dabei vom Banausen, der in sein Instant-Käffchen Kaffeeweißer aus der Tüte kippt, bis hin zum Hipster, der die exakte Kaffeemenge in Gramm abwiegt und das heiße Mineralwasser (sic!) auf das Grad genau wohltemperiert über das braune Pulver gießt.

Wissen Sie, was Kaffee mit Ihrem Körper macht?

Der frisch gebrühte Kaffee am Morgen ist für Viele ein absolutes Muss. Das Koffein macht uns wach und konzentriert. Ein paar Tage damit auszusetzen, käme uns nicht in den Sinn. Es sei denn, wir sind erkältet, liegen fiebrig im Bett und trinken nur Kamillentee. Dann merken es Einige – ich zum Beispiel – jedoch recht schnell: die Abhängigkeit. Nach 1-2 Tagen Kaffeeabstinenz bekomme ich rasende Kopfschmerzen, die tatsächlich mit einer Tasse Kaffee wieder verschwinden.

Ich trinke meinen Kaffee immer direkt nach dem Aufstehen und habe immer das Gefühl, dass er mich „weiterbringt“. Studien belegen jedoch, dass das suboptimal ist, denn morgens wird im Körper auch viel Cortisol gebildet. Das Hormon vertreibt das Melatonin und macht wach. Dieser Effekt wird beim Morgenkaffee durch das zugeführte Koffein noch gesteigert. Ab einer gewissen Konzentration reagiert der Körper darauf gestresst, was sich in Nervosität und erhöhter Infektanfälligkeit niederschlägt. Zudem besteht die Gefahr, dass man eine Art Koffeintoleranz entwickelt und somit immer mehr Kaffee benötigt, um eine Wirkung zu verspüren. Am späten Vor- bzw. Nachmittag (ca. 10-11 Uhr bzw. 14-17 Uhr) ist der Cortisol-Spiegel jedoch recht tief und der Kaffeegenuss kann seine ganzen Vorteile entfalten.

Übrigens: Wer täglich ein paar Tassen Filterkaffee trinkt, macht quasi en passant eine Verjüngungskur, denn dem Heißgetränk wird ein Anti-Aging-Effekt nachgesagt.

Rösterei vs. Supermarkt – Ein paar Worte zur Bekömmlichkeit

Eine Voraussetzung für einen richtig leckeren, bekömmlichen Kaffee ist der Kauf von guten Kaffeebohnen direkt in einer Rösterei.

Gemahlener Kaffee, der wochenlang im Supermarkt-Regal stand, hat durch Licht, Sauerstoff und Wärme schon einen Teil seines Aromas verloren. Und wenn die Packung eine „magenschonende Röstung“ verspricht, so heißt das bei Supermarkt-Kaffee: mehrere Tonnen werden 2-3 Minuten bei 500-600 Grad Celsius geröstet. Eine gute Rösterei hingegen versteht darunter eine Rösttemperatur von etwa 200 Grad Celsius für 15-25 Minuten.

Diese sog. Langzeitröstungen sind nicht nur viel aromatischer, sondern auch deutlich magenfreundlicher, weil durch den längeren Röstvorgang mehr Säuren zersetzt werden. Den Qualitätsunterschied schmeckt man besonders bei kaltem Kaffee: schnell gerösteter Kaffee ist kalt quasi untrinkbar, während die Langzeitröstung wenigstens noch nach Kaffee schmeckt.

Siebträger, French Press, Handfilter & Co. – Die Zubereitungsarten

Ob Vollautomat oder Handfilter, Siebträger oder French Press – Zubereitungsarten gibt es viele und sie haben ihre individuellen Vor- und Nachteile. Teure Markenmaschine oder schlichter Porzellanfilter? Ein Vollautomat erzeugt nicht unbedingt den magenschonendsten Kaffee, ist aber schnell und auch für größere Mengen geeignet. Eine schicke Siebträgermaschine ist oft weitaus teurer, veredelt aber jede Küche und ist quasi ein eigener Einrichtungsgegenstand. An dieser Stelle sei aber angemerkt, dass man den eigentlichen Kaffee – also das Rohmaterial – mit einer Luxus-Kaffeemaschine natürlich nicht besser macht. Wer also billige Bohnen in einer teuren Maschine verarbeitet, spart am falschen Ende. Ein einfacher Handfilter hingegen ist zwar meist nur für 1-2 Tassen auf einmal geeignet, aber dafür günstig, platzsparend und kann überall mit hingenommen werden. Selbiges gilt auch für die French Press. Sie ist bekannt für einen äußerst aromatischen Kaffee, da die Kaffeeöle nicht vorher herausgefiltert wurden.

Tipp: Falls Ihr Bürokaffee nur mit viel Milch zu ertragen ist, kaufen Sie sich einen Handfilter und Filtertüten für die Arbeit und bringen Sie sich einfach einen guten, eigenen Kaffee mit. Ich habe das jahrelang gemacht. In einigen Büros wird so GAR kein Wert auf guten Kaffee gelegt, sondern abgestandener Industriekaffee aus Pumpkannen getrunken. Klar, wer sich da Milch und Zucker reinkippt, schmeckt vom eigentlichen Getränk ja auch nicht mehr viel. Aber: warum tut man sich das an?

Schwarz wie die Nacht

Kaffee wird meist mit Milch gestreckt oder mit Zucker gesüßt. Pur, schwarz, schmeckt er nur den Wenigsten. Und auch ich trank jahrelang nur Latte Macchiato. Doch als ich irgendwann keine Kuhmilch mehr trinken wollte, mir Soya- und Mandelmilch im Kaffee nicht schmeckten, ich Hafer noch nicht entdeckt hatte und die Kokosmilch auf Dauer zu fett war, wollte ich etwas an meinen Kaffeetrinkgewohnheiten ändern.

Beim Besuch einer Berliner Rösterei schilderte ich der Verkäuferin mein Anliegen. Ich empfand Kaffee ohne Milch immer als zu bitter und suchte nun eine Sorte, die mir auch schwarz schmecken würde. Die Verkäuferin betrat mit mir den Verkaufsbereich, wo schätzungsweise um die 100 Kaffeesorten auf Käufer warteten. Sie erläuterte mir das sog. Geschmacksprofil, also die Skalen unter den Bezeichnungen der Kaffees, die verschiedene Werte kennzeichneten: Röstgrad, Aromen, Komplexität, Körper, Nachgeschmack, Fruchtigkeit, Balance und Crema. Dann empfahl sie mir drei verschiedene Sorten und sagte, es sei wichtig, dass der Kaffee eine geringe Fruchtigkeit hat. So lernte ich, dass man auch beim Kaffee vom sog. Terroir spricht. Das ist ein Begriff aus dem Weinanbau, der den u.a. durch Wetter, Bodenbeschaffenheit und ortstypische Weiterverarbeitung geprägten individuellen Charakter eines Kaffees kennzeichnet.

Praktischerweise gehört zu der Rösterei neben dem Shop auch ein Café, wo man jede Sorte in der individuell bevorzugten Zubereitungsart bestellen kann. Ich testete zwei der empfohlenen Sorten, begleitet von einem Stück Kuchen. Beide Kaffees schmeckten – schwarz – ganz phantastisch! Seither trinke ich den Kaffee zuhause nur noch schwarz und mahle die Bohnen vorher frisch.

Wer also auch keine Lust mehr auf zusätzliche Milch (welcher Art auch immer) im Kaffee hat, sollte so ein Kaffee-Tasting auch mal machen. Ich würde mir aber immer Sorten mit wenig Fruchtigkeit empfehlen lassen und nicht irgendwas blind testen. Klar, Rösterei-Kaffee ist immer teurer als der im Supermarkt, aber eben auch hochwertiger, deutlich schonender geröstet und….leckerer!

Man kann es auch übertreiben – Chi-Chi rund ums Kaffeekochen

Man kann aus dem Kaffeetrinken auch eine Wissenschaft machen. So manch ein Hobby-Barista misst Kaffee und Wasser pro Tasse genau ab und achtet auf die Temperatur des heißen Wassers ebenso wie auf dessen Härtegrad. Ach ja, und der Mahlgrad der Handmühle sollte auch fein auf die jeweilige Zubereitungsart abgestimmt sein, sonst verstopft der zu fein gemahlene Kaffee womöglich die Filterporen. Ein paar Feinsinnige wärmen übrigens sogar die Tasse vor. Ich gehöre nicht dazu, weil mein Kaffee aus dem Handfilter direkt nach der Zubereitung ohnehin noch zu heiß zum Trinken ist.

Die Oma hat das letzte Wort

Am Ende ist es natürlich Ihnen überlassen, Ihren Kaffee weiter so zu trinken, wie Sie es gewohnt sind. Vielleicht lassen Sie sich aber auch anregen, doch mal einen Gang in eine Rösterei in Ihrer Nähe zu wagen und sich mal aus Ihrer geschmacklichen Komfortzone herauszutesten. Sollten Sie dabei ein Aha-Erlebnis haben, lassen Sie es mich gern wissen. Wer weiß, vielleicht stelle ich demnächst einfach auch mal wieder meinen Kaffeekocher und das Milchkännchen auf den Herd und kredenze mir einen schönen Latte Macchiato mit wunderbarem Schaum und einem Hauch Zimt. Und so schließe ich mit den Worten meiner geliebten Großmutter, die vor dem ersten Schluck in geselliger Runde immer rief: „Prost Kaffee!“

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