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Geld, Glück, Jahresumsatz

Haben Sie Ihr Jahresziel erreicht? Hatten Sie überhaupt eines? Und was machen Sie jetzt am Ende des Jahres mit dem Ergebnis, das Sie nach all den von Unsicherheit und Krisen geprägten Monaten erreicht haben?

Wenn von Anwältinnen und Anwälten gesprochen wird, wenn sie in Filmen oder Geschichten auftauchen, dann gibt es häufig zwei Typen, von denen die Rede ist. Da ist zum einen der super erfolgreiche Anwalt aus der Großkanzlei, der in Geld schwimmt, häufig aber als Unsympath dargestellt wird. Der geldgierig ist, Konflikte vergrößert, der humorlos und unter Zuhilfenahme von Drogen zum Überstehen der Allnighter seinem skrupellosen Geschäft nachgeht. Und da ist der Anwalt mit dem großen Herzen, der sich für mittellose Menschen einsetzt, für die Guten, allerdings ohne irgendeinen finanziellen Erfolg, sein Büro ist meist ein heilloses Durcheinander und er arbeitet sich quasi kaputt für den guten Zweck, gern mit latentem Alkoholproblem.

Als Anwältinnen und Anwälte mitten in der Juristerei wissen wir natürlich, dass es nicht nur diese beiden Typen von Vertreterinnen und Vertretern unseres Berufes gibt. Zwischen den Einstiegsgehältern in Großkanzleien und dem Anwalt, der zur Deckung seiner Bürokosten nebenbei noch Taxi fährt, liegen sehr viele Varianten von Geld, Erfolg und Lebensgestaltung. Gleichzeitig macht dieses gesellschaftliche Bild sicherlich etwas mit uns und wirkt sich aus auf die Art, wie wir arbeiten. Die einschränkende gedankliche Verknüpfung von Geld, Erfolg und negativen Eigenschaften auf der einen Seite und finanzieller Erfolglosigkeit bei denen, die ihre Fähigkeiten für Gutes einsetzen, dürfen wir deshalb gern abschaffen.

Ohnehin ist nicht immer das, was wir von außen wahrnehmen auch das, wonach es aussieht. Niemand weiß, ob der teure Wagen bezahlt ist oder nicht. Wir sehen nicht, ob jemand mit altem Sakko nicht in einer Villa mit Seeblick lebt oder eine Stiftung gegründet hat. Oder ob die Kollegin mit der Rolex einfach eine ganz echte Uhrliebhaberin ist.

 

Statistiken zu Glück, Geld und der Anwaltschaft

Wenn wir Studien zum Thema Geld und Glück vergleichen mit den Statistiken über das Einkommen von Anwältinnen und Anwälten, dann müssten wir ja insgesamt recht zufrieden sein. So soll die Glückskurve bei einem Nettoeinkommen von etwa 60.000,- € im Jahr ihren Höhepunkt erreicht haben – darüber wird es nicht mehr glücklicher. Auf der Webseite der Bundesrechtsanwaltskammer ist der vom Institut für Freie Berufe erstellte STAR Bericht 2020 abrufbar, der die Einkommen von Anwältinnen und Anwältinnen abbildet und nicht nur hinsichtlich der Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Berufsträgern interessant (und gerade in diesem Punkt auch desillusionierend) ist. Es wird auch geschaut auf die verschiedenen Kanzleiformen und Arten der Mitarbeit, auf das Alter, die Regionen und viele neben dem Umsatz relevanten Bereiche der Berufsausübung.

Nach der Erhebung erzielten Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte im Wirtschaftsjahr 2018 auf Bundesebene einen durchschnittlichen persönlichen Gewinn aus selbstständiger Tätigkeit von 74.000,- Euro. Da wird das Nettoeinkommen dann durchaus unter dem oberen Ausschlag der Glückskurve liegen, aber es ist eben auch ein Durchschnitt. Was jedenfalls sehr deutlich wird, wenn man sich ein wenig durch die Auswertung liest, ist: Wir sind sehr, sehr unterschiedlich. Interessant ist der Abschnitt über die Zufriedenheit mit dem Beruf – zwei Drittel, der für die Studie befragten, sind mit ihrem Beruf zufrieden oder sehr zufrieden. Das dürfte also nicht nur mit dem erzielten Umsatz oder Gewinn zusammenhängen. Das ist allerdings kein Trost, wenn jemand zu den 5 Prozent nicht oder überhaupt nicht zufriedenen Kolleginnen oder Kollegen gehört. Zurück deshalb zu Ihnen selbst.

 

Die eigenen Maßstäbe setzen

Geld ist nur ein Teil dessen, was wir für ein erfülltes Leben brauchen. Wieviel Sie selbst benötigen, um eine ausreichende Wertschätzung Ihrer Arbeit wahrzunehmen und um genügend Sicherheit zu haben oder Freiheit, das können Sie nur selbst bestimmen. Wir dürfen uns dabei gern verabschieden von den Stereotypen, die uns manchmal zugeschrieben werden. Dürfen viel Geld verdienen mit Dingen, die uns sinnvoll scheinen auch in einem größeren und über das Ermöglichen von Statussymbolen hinausgehenden Sinne. Dürfen unseren Schwerpunkt auch mal auf etwas anderes legen als die reine Umsatzzahl oder den Gewinn, weil das Leben noch andere Facetten und Phasen für uns bereithält. Günstig ist es, sich überhaupt damit zu beschäftigen und nicht nur dem hinterherzurennen, was so auftaucht. Deshalb, wenn Sie jetzt auf Ihren Jahresumsatz schauen:

 

3 Impulse für den Blick auf Ihren eigenen Umsatz

Danken Sie sich selbst für das, was Sie in diesem Jahr geschafft haben, auch für den Umsatz! Es war kein leichtes Jahr mit all dem, was auf der Welt passiert ist - und vielleicht hat sich das auch gerade in Ihrem Rechtsgebiet ausgewirkt.

Setzen Sie sich die eigenen Maßstäbe für Erfolg und nehmen Sie sich dafür ruhig mal ein bisschen Zeit. Welche Summe benötigen Sie denn tatsächlich, um die Glückskurve nicht unter die X-Achse rutschen zu lassen? Was, damit sie möglichst hoch ausschlägt? Und was ist sonst noch wichtig für Ihre Zufriedenheit?

Denken Sie daran, dass unternehmerisches Denken nicht gerade Teil unserer Ausbildung ist. Wenn Sie hier aufholen wollen, planen Sie doch mal wieder eine andere Art der Fortbildung ein als die für die Fachanwaltsstunden. Für neue Ideen und etwas neuen Schwung für die nächste Runde. Auf dass sich dieser Schwung dann nicht nur auf Ihre Umsätze auswirkt, sondern Sie auch in Sachen Zufriedenheit mit Ihrem Beruf genau dort sind, wo Sie sich wohlfühlen.

 

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