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Der Gedankenstrich: Ein Satzzeichen sorgt für klare Verhältnisse

Grammatik und Rechtschreibung sind nicht jedermanns Sache. Einige Regeln kennt man, doch insbesondere in Zweifelsfällen werden z.B. Kommata meist einfach nach Gefühl gesetzt. Doch es gibt auch richtig blinde Flecken. Sie kennen das. Satzzeichen beispielsweise, die Sie praktisch nie benutzen. Das Semikolon ist so ein Kandidat. Ganz besonders aber auch der Gedankenstrich. Man sieht ihn äußerst selten, denn wann und wie man ihn genau einsetzt, wissen nur wenige. Doch spätestens nach Lektüre dieses Artikels gehören auch Sie dazu, denn es ist wirklich ganz einfach.

Wo wird der Gedankenstrich eingesetzt?

Die genauen Einsatzmöglichkeiten eines Gedankenstrichs im Text sind schnell umrissen. Im Wesentlichen gibt es drei Anwendungsfälle:

1. Ankündigung von etwas Überraschendem oder Gegensätzlichem

Wenn der Schreibende einen Satzteil besonders betonen möchte, so kann er dies, indem er den Leser mit einem Gedankenstrich zu einer kurzen Denk- bzw. Lesepause zwingt. Dies erhöht den Spannungsbogen und baut für einen Moment Dramatik auf, bevor dann z.B. etwas Unerwartetes folgt.

  • Er ging fest davon aus, das Examen bestanden zu haben – bis der Brief kam.
  • Sie berät gern KMU – und am liebsten Start-ups.

Vereinzelt ist in diesem Anwendungsfall statt eines Gedankenstrichs auch ein Doppelpunkt denkbar. Ein Komma wäre aber zu schwach.

2. Wechsel des Sprechers oder des Themas

Ein Gedankenstrich kann auch eingesetzt werden, wenn zwischen zwei Sätzen die Sprecher wechseln oder ein abrupter Themenwechsel markiert werden soll.

  • „So, ich gehe mal raus, eine Zigarette rauchen.“ – „Ach, hattest Du nicht längst mit dem Rauchen aufgehört!?“
  • „In der letzten Stunde habe ich zwei Schriftsätze fertiggestellt! – Hat heute eigentlich schon jemand für mich angerufen?“

3. Einschub innerhalb eines Satzes

Neben dem einfachen gibt es noch den doppelten Gedankenstrich. Mit zwei Gedankenstrichen innerhalb eines Satzes kann man einen gedanklichen Zusatz oder Nachtrag hervorheben (sog. Parenthese).

  • Sie konnte – leider! – nicht zur Party kommen.
  • Er gönnte sich – wie jeden Nachmittag – ein Stück Schokolade zum Kaffee.

Oftmals sind an diesen Stellen auch Kommata oder Klammern denkbar. Bei besonders langen, in sich verschachtelten Sätzen gibt es aber bereits so viele Kommata, dass Gedankenstriche für eine deutlichere Abgrenzung sorgen. Sie sollten dennoch sparsam eingesetzt werden, sonst leidet die erstrebte Übersichtlichkeit.

Gedankenstrich, Klammer oder Komma?

Meist steht es Ihnen frei, mit welchen Satzzeichen Sie einen Einschub innerhalb eines Satzes hervorheben.

  •  Am Heiligabend, etwa zur Mittagszeit, fiel Thomas ein, dass ihm noch zwei Geschenke fehlten.
  •  Am Heiligabend (etwa zur Mittagszeit) fiel Thomas ein, dass ihm noch zwei Geschenke fehlten.
  •  Am Heiligabend – etwa zur Mittagszeit – fiel Thomas ein, dass ihm noch zwei Geschenke fehlten.

In allen Varianten sind Kommata, Klammern oder Gedankenstriche denkbar. Allerdings fällt auch auf, dass der Einschub in den drei Varianten jeweils unterschiedlich stark betont wird.

Gedankenstrich oder Bindestrich?

Differenzieren Sie fein zwischen dem Gedankenstrich (–) und dem kürzeren, verbindenden Bindestrich (-). Die Einsatzmöglichkeiten des Gedankenstrichs kennen Sie nun. Den kurzen Bindestrich nutzen Sie,

  • um Wörter am Zeilenende zu trennen,
  • als Ergänzungsstrich (z.B. Mittag- und Abendessen),
  • als klassische Trennung in Wörtern wie U-Bahn,
  • als Minuszeichen,
  • bei Wörtern, die ohne einen Trennstrich nur schwer lesbar wären (z.B. Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung) oder
  • bei zusammengesetzten Wörtern (z.B. After-Work-Party, Business-Class).

Übrigens: Mac-Nutzer erzeugen den Gedankenstrich durch Eingabe von option + Minuszeichen, Nutzer von Windows bzw. MS Word durch Eingabe von Alt + 0150 (auf Ziffernblock!) bzw. Strg + Minuszeichen.

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