Im Dezember haben sich die Spitzenorganisationen mehrerer freier Berufe, darunter die Bundessteuerberaterkammer, die Bundesrechtsanwaltskammer und die Bundesärztekammer, mit dem Appell an den Gesetzgeber gewandt, das Fremdbesitzverbot für ihre Berufsgruppen effektiv auszugestalten. Initiiert wurde die gemeinsame Erklärung durch die Bundessteuerberaterkammer. Diese begrüßt zwar das derzeit in Vorbereitung befindliche 9. Gesetz zur Änderung des Steuerberatungsgesetzes, mit dem auch eine Klarstellung des Fremdbesitzverbots erfolgen soll; zugleich befürchtet die BStBK aber, dass Finanzinvestoren weiterhin versuchen könnten, Einfluss auf die Arbeit von Kanzleien zu gewinnen.
Mit ihrem gemeinsamen Vorstoß wollen die berufsständischen Spitzenorganisationen verdeutlichen, dass sie in Umgehungskonstruktionen, etwa Beteiligungs-, Ketten- oder Holdingmodellen, eine ernsthafte Gefahr für die Unabhängigkeit der freien Berufe und auch für den Verbraucherschutz in sensiblen Bereichen wie Steuerberatung, Recht und Gesundheit sehen. Wer einen Steuerberater, eine Ärztin, einen Rechtsanwalt, eine Ingenieurin oder andere Freie Berufe aufsuche, erwarte unabhängigen Rat und keine Renditeziele im Hintergrund, heißt es in ihrem Aufruf. Dieses Vertrauen sei ein hohes Gut und dürfe nicht zur Handelsware auf internationalen Finanzmärkten werden. Wenn Kapitalgeber Einfluss nehmen könnten, drohe wegen deren Gewinnerwartungen ein Zielkonflikt und damit ein Verlust langfristiger Qualität und fachlicher Verantwortung. Die Freien Berufe seien aber kein Kapitalmarkt. Ihr größtes Kapital seien vielmehr Kompetenz, Ethik und Verantwortung. Etwaiger Kapitalbedarf – z.B. für Digitalisierung, Innovation und moderne Infrastruktur – lasse sich über die bewährten Finanzierungswege wie Bankkredite oder Förderprogramme realisieren. Es gebe somit keinen Kapitalbedarf, der Fremdbesitz rechtfertigen würde.
Die Gefahren auch für das Gemeinwohl durch den Einstieg von Kapitalinteressen seien vielfältig, erläutern die Spitzenverbände: Er würde absehbar zu Marktkonzentrationen führen, da große Kanzleien die kleinen übernehmen würden. So ginge Vielfalt vor allem im ländlichen Bereich verloren. In den Regionen würden die soziale und die wirtschaftliche Stabilität leiden; die Bürgerinnen und Bürger bekämen dies am Ende ebenfalls zu spüren. Nicht zuletzt fürchten die Freien Berufe auch um ihren eigenen Nachwuchs: Unabhängigkeit sei einer der stärksten Anreize für freiberufliche Nachwuchskräfte – junge Menschen wollten gestalten, Verantwortung tragen und frei arbeiten, allerdings nicht als „Angestellte internationaler Fonds“.
[Quellen: BStBK/BRAK]






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