Im vergangenen Jahr hat die Bundesrechtsanwaltskammer gemeinsam mit anderen europäischen Anwaltsorganisationen im Rahmen des Rates der Europäischen Anwaltschaften (CCBE) eine Umfrage zu Gewalt gegenüber Rechtsanwälten durchgeführt. In Deutschland wurden im Rahmen dieser Untersuchung mehr als 3.500 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zu ihren Erfahrungen mit Angriffen in Form von Belästigungen, bedrohlichem Verhalten und verbaler oder körperlicher Aggression befragt. Die Ergebnisse wurden im Dezember veröffentlicht.
Die in Deutschland befragten Anwältinnen und Anwälte stammten aus nahezu allen anwaltlichen Tätigkeitsfeldern; knapp 52 % gaben an, als Einzelanwältin bzw. -anwalt tätig zu sein. 61 % der Studienteilnehmer waren männlich, 39 % weiblich. Wie die BRAK zu den präsentierten Zahlen anmerkte, lassen die Ergebnisse aufhorchen. Danach gab fast jede/jeder zweite Befragte an, schon einmal oder sogar mehrfach verbalen Aggressionen wie Fluchen, Schreien, Beleidigungen oder negativen oder diskriminierenden Kommentaren – online oder offline – ausgesetzt gewesen zu sein. Knapp 7 % waren sogar Ziel körperlicher Gewalt wie Schubsen, Schlagen, Treten, Spucken oder dem Werfen oder Zerstören von Gegenständen geworden. Über „Belästigungen“ klagten rund 30 % der Befragten.
Als Täter wurde von den Rechtsanwältinnen und -anwälten in erster Linie die Mandantschaft der Gegenseite (rund 33 %) ausgemacht, danach folgt in der Nennung bereits die ehemalige eigene Mandantschaft (29 %). Immerhin zu knapp 14 % wurden derzeitige Mandanten als Ausgangspunkt von Aggressionen benannt. Was die Gründe für die jeweilige Ausfallerscheinung der (gegnerischen oder eigenen) Mandanten waren, so vermuteten nur 27 % der Befragten, dass damit ein bewusster Versuch verbunden gewesen sei, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Die Mehrheit (etwas über 50 %) nahm an, dass hauptsächlich Unzufriedenheit mit bestimmten Ereignissen bzw. einer bestimmten Situation oder aufsteigende Emotionen oder Frust die Ursachen waren.
Bemerkenswert ist, dass viele der Befragten eine steigende Tendenz in der Ausübung von Aggressionen gegen sich und ihre Berufskollegen ausgemacht haben. So meinten 38 % der Umfrageteilnehmer, dass Drohungen, Belästigungen und Aggressionen gegen Rechtsanwälte in den letzten fünf Jahren zugenommen hätten, nur 12 % nahmen eine gleichgebliebene Anzahl an; rund 50 % der Befragten konnte hierzu keine Einschätzung abgeben.
Wie die BRAK mitteilte, will sie sich des Themas Gewalt gegen Anwälte annehmen und hat es auch bereits auf Konferenzen zum Diskussionsgegenstand gemacht. Demnächst soll sich zudem der BRAK-Ausschuss Menschenrechte mit möglichen Schutzmaßnahmen für betroffene Anwältinnen und Anwälte befassen. Die Ergebnisse der Studie hat die BRAK unter https://www.brak.de/fileadmin/Newsroom/2024_ergebnisse_umfrage_ccbe-bedrohte_anwaltschaft.pdf zusammengefasst.
[Quellen: BRAK/CCBE]










