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Von Klebezetteln und der Digitalisierung anwaltlicher Tätigkeit

Ich habe mit Uwe Horwath gesprochen, der eine Lücke entdeckt und beschlossen hat, sie zu schließen. Sichtbar wurde diese Lücke für ihn während seiner Tätigkeit als Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht in einer mittelständischen Wirtschaftskanzlei. Beschäftigt mit Fragen des deutsch-französischen Rechtsverkehrs stellte er genau wie wir in unseren Büros fest: Die Digitalisierung schreitet voran. Schon viele Jahre arbeiten wir mit Organisationstools, die unsere Akten in elektronische Datenbanken verwandeln. Inzwischen verschicken wir unsere Schriftsätze immer mehr über das beA.

Wenn wir aber inhaltlich arbeiten, dann ziehen die meisten von uns doch gern die dicke Papierakte aus dem Schrank. Die, in der schon all die Klebezettel kleben, in der die Seiten bearbeitet und wichtige Passagen mit Leuchtstift markiert wurden und die hinten eine Tasche hat mit all den zusätzlichen handschriftlichen Notizen und Querverweisen oder Ausdrucken von Gerichtsurteilen.

Und da ist bisher für viele von uns die Lücke in der Digitalisierung. Sie betrifft das Herzstück unserer Arbeit, die inhaltliche nämlich, die wirkliche Arbeit am Fall. Die machen wir gern analog. Und für diese Stelle hatte Uwe Horwath eine Idee.


SPEZIAL-TOOL FÜR DIE ANWALTLICHE ARBEIT

METHODIGY ist ein Spezial-Tool für diese anwaltliche Arbeit. Es schließt die Lücke zwischen anwaltlichem Organisationstool und den juristischen Recherche-Angeboten. Mit unserem Organisations-Programm werden unsere Schriftsätze und Posteingänge digitalisiert, es behält unsere Fristen im Auge und präsentiert uns täglich Wiedervorlagen. Wenn wir inhaltlich arbeiten nutzen wir neben aller Liebe zu echten Büchern und dem kleingedruckten Kommentar die juristischen Datenbanken, die die Recherche so viel einfacher machen und ständig erweitert und aktualisiert werden. Genau im Zwischenraum dieser beiden Hilfsmittel setzt das von Uwe Horwath und Vincent Merz entwickelte Produkt an.


WIE ES FUNKTIONIERT

METHODIGY hat Schnittstellen zu dem jeweils verwendeten Anwaltsprogramm. Wir können also wie gewohnt unsere E-Akte aufrufen, diese Dokumente mit METHODIGY bearbeiten und ändern und neue erstellen. Diese Dokumente werden dann wiederum alle synchronisiert und landen dadurch automatisch wieder in der E-Akte. Bei der Bearbeitung können Notizen angefügt werden und Querverweise zu anderen Dokumenten oder anderen Akten. Dadurch werden Zusammenhänge sichtbar, sie können analysiert und weiterverarbeitet werden.

Die Vorteile:

  • Wissen strukturieren und erhalten
  • Den Transfer von Wissen nachhaltig ermöglichen

WISSEN STRUKTURIEREN UND ERHALTEN

Textpassagen aus beliebigen Aktendokumenten werden ganz einfach zu einem digitalen Aktenspiegel zusammengesetzt, der mit den Dokumenten verlinkt ist. Dadurch ist jederzeit nachvollziehbar, wie die auf verschiedene Dokumente verteilten Informationen miteinander verbunden sind. Wenn ein Text erstellt oder der Fall weiterbearbeitet wird, sind die verarbeiteten Inhalte direkt aufrufbar.

„Textbausteine zum Beispiel haben in der Vergangenheit ja manchmal ein gewisses Eigenleben entwickelt“, meint Uwe Horwath. Verschiedene Versionen und Änderungen, oft in unterschiedlichen Dokumenten, teilweise wild abgelegt und in ihrer Entstehung nicht mehr nachvollziehbar. Mit der Nutzung seines Tools geht nichts verloren, wie und warum es zu Änderungen kam, was der aktuelle Stand ist und an welchen Punkten wir ansetzen müssen, wenn wieder eine Neuerung zu berücksichtigen ist. Und wenn wir eine Quelle noch einmal ansehen möchten, sind wir mit einem Klick dort.


DEN TRANSFER VON WISSEN NACHHALTIG ERMÖGLICHEN

„Ich habe oft erlebt, dass ein Kollege mir in der Kaffeepause bei der Besprechung eines Falles einen entscheidenden Tipp für mein aktuelles rechtliches Problem gegeben hat“, sagt Uwe Horwath. „Mit METHODIGY bleiben solche Hinweise kein Zufall mehr, weil ich dafür nicht mehr im richtigen Moment mit dem richtigen Kollegen einen Kaffee trinken muss.“ Vielmehr bleiben die Quellen und Inhalte aus früheren Bearbeitungen erhalten und können genutzt werden. Der Wissenstransfer zwischen den Anwältinnen und Anwälten ist gesichert und das nicht nur für den Moment. Außerdem ist es auch möglich, mit mehreren Kolleg*innen parallel an einem Dokument zu arbeiten. Unsere Recherchen und Ausführungen werden gespeichert und für spätere Bearbeitungen in ähnlich gelagerten Fällen dadurch zugänglich gemacht. So können Strukturen für solche ähnlichen Fälle genutzt und auch direkt in einem Vertragsentwurf oder Schriftsatz verwendet werden. Die gemeinsame Kaffeepause selbst sollte deshalb natürlich trotzdem nicht abgeschafft werden.


WO DER SPASS BEGINNT

Neues zu etablieren, ist manchmal zäh und erfordert Anstrengung. Nicht umsonst sind viele Kolleginnen und Kollegen zögerlich darin, ihre Arbeit zu digitalisieren. Gezwungen zu Veränderungen sind wir häufig durch äußere Umstände wie der gesetzlichen Verpflichtung zur Teilnahme am elektronischen Rechtsverkehr. Für unsere Motivation ist es allerdings einfacher, neben dem „Ich muss jetzt weg von dem Papier“ einen zusätzlichen Gewinn vor Augen zu haben, der das Angehen der Veränderung attraktiv genug macht, um loszugehen. Diesen soll METHODIGY liefern, denn die beschriebenen Funktionen gehen weit über den Zweck hinaus, den wir mit unseren Notizzetteln erreicht haben. Es wird leichter, den Überblick über all die Informationen zu behalten, die wir tagtäglich verarbeiten. Und es ist eine Chance, die eigene Arbeit und Dienstleistung zu verbessern. „Da fängt es an, Spaß zu machen!“ sagt Uwe Horwath. Und Spaß haben sogar die meisten Jurist*innen gern.


Uwe Horwath




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