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„Flirten Sie etwa mit mir?“

Ich gebe es zu: Ich flirte hemmungslos. Mit jedem und jeder und allem. Vor allem am Telefon. Da sogar mit der Warteschleife. Ich stehe dazu, und – nur, damit das geklärt ist – mein Ehemann weiß das und macht es genauso.

Die will nur spielen!

Bei meiner Art Flirten geht es nämlich keineswegs darum, irgendetwas Tiefgründiges anzubahnen. Die Menschen am anderen Ende der Leitung werde ich oft nie wieder hören oder sehen, geschweige denn, je treffen.

Das englisch-stämmige Wort „flirt“ kann nämlich auch als „kokettieren“ verstanden werden, und das heißt ja nun erst einmal, etwas spielerisch zu nehmen. Wohlgemerkt: Es heißt nicht, Ernstes lächerlich zu machen. Es würdigt nichts und niemanden herab.

Farbenbrücke durch den Äther

Es geht nur darum, die oft bleierne Ernsthaftigkeit zurücktreten zu lassen, Farbe in dröge „Amtsgespräche“ zu bringen. Es baut eine Brücke aus Lächeln, bestenfalls Lachen, die in der Stimme des Gesprächspartners meist tatsächlich hörbar wird.

Es nimmt mir den Nimbus des Zeitfresserchens, das aus Eigennutz die Amtsgeschäfte des/der Anderen rüde unterbricht und ihnen noch mehr von dem aufbürdet, von dem sie meist eh schon genug haben: Arbeit.

Wert-voll!

Was ich da mache, ist von beiden Seiten völlig unverbindlich und unverfänglich, funktioniert ganz unabhängig von Orientierung und Geschlecht, und ist gerade deswegen unschätzbar wertvoll. Es schätzt Andere nämlich voll Wert. Als Gesprächspartner und als Personen.

Genau deswegen darf es nicht persönlich werden, darf das Gesagte eine fein gezogene Linie nicht überschreiten.

Life-Hack

Falls Sie meinen Einstiegstrick hören wollen: Ich mache mich gerne ein ganz kleines Bisschen dümmer, als ich bin. „Wer, außer Ihnen, könnte mir sagen …“ hauche ich, vielleicht erneut ein ganz kleines Bisschen übertrieben, oder „Natürlich sind Sie mit der Sache viel vertrauter …“

Hören Sie ein „aber“? Der/die Andere auch. ABER das Unterstapeln spricht – sagt die Psychologie – Menschen trotzdem immer wieder an.

Geht nicht? Gibt’s nicht.

Selbst, wenn Sie aufkippen – die Reaktion ist meist nicht schlimmer als ein „Jetzt machen Sie sich mal nicht kleiner, als Sie sind!“ oder so ähnlich, und schon können Sie nach Herzenslust drauflegen: „Ach, für Sie / für meine Mandanten würde ich fast alles tun.“

Natürlich geht das auch schief. Logisch. Es gibt immer wieder Menschen, die zum Lachen in den Keller gehen. Und, zugegebener Maßen, auch Telefon-Flirts, bei denen ich schändlich versage und eher schmierig, denn geschmeidig klinge. So what? Nächster Versuch. Ich bin ja schließlich nicht so klein, wie ich mich ab und zu mache.

Lächel-Lohn

Wenn alles gut geht, schmunzele ich noch beim Auflegen, habe, was ich wollte, und weiß, meinen Gesprächspartner*innen geht es genauso.

Denn mit Hilfe eines kleinen Flirts haben wir in den letzten fünf Minuten etwas Wunderbares, zuletzt so oft verloren Geglaubtes geteilt: ein Lächeln.

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