Beiträge von: Dr. Nadja Kobler-Ringler

Die Autorin ist überzeugte Rheinländerin, seit 2004 selbstständige Einzelanwältin, Lektorin und Dozentin. Spätestens als freie Mitarbeiterin in der Kulturforschung hat sie gelernt, ihren Mitmenschen sehr genau zuzuhören. Daraus entstehen freche Artikel zu ihrem Broterwerb, Kurzgeschichten, Gedichte und, nicht zuletzt, Romane unterschiedlichster Genres unter dem Pseudonym Georgie Severin.
Ein Hoch(glanzmagazin) auf den Anwaltsberuf!
Es ist Januar und im Briefkasten treffen die ersten Hochglanzmagazine des neuen Jahres ein. Abnehmtipps, Frühjahrskollektionen, Jahreshoroskope. Alles neu, alles wie gehabt. Ich frage mich, wie wohl ein Hochglanzmagazin meines Berufes aussähe? Fachzeitschriften haben wir – auch Magazine und Hochglanzwerbung. Aber ich denke an so ein schickes Hochglanzmagazin mit Fotostrecken, savoir vivre und Glitzer. Das haben wir doch auch!
Schweig, oh Mandant! – Was anfangen mit einem Zuviel an Wissen?
Karneval steht vor der Tür. Noch nicht der Straßen-, aber der Sitzungskarneval. Ich liebe den Karneval, aber beruflich macht er mir ein wenig Angst. Das liegt an einem Vorfall aus einer Session, in der ich gerade selbstständige Anwältin geworden war - für meine Umgebung also noch Gesprächsthema: „Das Kind ist jetzt Anwalt.“
Darf ich‘s wagen, Sie zu fragen?
Selbstverständlich soll, kann und darf mir jede* jede Frage stellen. Was ich nicht beantworten kann oder mag, offenbare ich ehrlich. Seit Jahren kämpfe ich darum, meinen Beruf, seine Hintergründe, Möglichkeiten und Grenzen anderen verständlich zu machen. Meinen Mandanten natürlich, am liebsten aber jungen Menschen, denn die fragen gerne und meist ohne Ende, jedenfalls aber, bis ich an meine Erklärungsgrenzen gelange. Irgendwo auf oder hinter diesen Grenzen liegt dann zumeist der sprichwörtliche Hase im Pfeffer, heißt: da liegen die echten, noch zu lösenden Probleme des Rechts. Wunderbar!
Eile mit Weile?! – Fahnenschwenken im Mandat
Dass juristische Fachbegriffe ein subjektives und ein objektives Element aufweisen, ist AnwältIn nichts Neues. Nur beim Thema „Eilbedürftigkeit“ scheint mir dieses Wissen immer wieder abhanden zu kommen.
Stolz und Vorurteil: Anwalt und Coaching
Resilienter zu werden, neue Wege zu gehen, das wünschen sich viele AnwältInnen. Der Weg ins Coaching aber ist für viele mit Klischees und Vorurteilen gepflastert: Ist Coaching nicht doch nur Geldschneiderei? Wie erkenne ich einen guten Coach? Nicht zuletzt: Was passiert eigentlich bei einem Coaching?
„Arzt, heile Dich selbst – Anwalt, reflektiere Dich selbst!“
Resilienz bringe nichts, weil nur das Verhalten im Beruf zu ändern gesucht werde, nicht aber die Verhältnisse selbst, verkündet ein Hochglanzmagazin. Zugleich steigt die Zahl der psychischen Erkrankungen in anwaltlichen Berufen stetig. Was also ändert Resilienz und, vor allem, wie wird „Anwalt“ resilient?
„Ich bin eine Lady, Mister!“

Ich bin seit gestern ein Ein-Horn. Es ärgert mich, massiv. Denn die Beule auf meiner Stirn sieht nicht nur unmöglich aus, sondern erinnert mich auch daran, dass ich offensichtlich unfassbar alt-modisch bin: Ich hatte doch glatt gedacht, die Mandanten-Herrlichkeit an meiner Seite würde nur vorgehen, um mir die Restauranttüre aufzuhalten. Nicht, um sie hinter sich loszulassen. Ist es zu glauben? Ich bin tatsächlich gegen die zufallende Türe gelaufen.

„Flirten Sie etwa mit mir?“

Ich gebe es zu: Ich flirte hemmungslos. Mit jedem und jeder und allem. Vor allem am Telefon. Da sogar mit der Warteschleife. Ich stehe dazu, und – nur, damit das geklärt ist – mein Ehemann weiß das und macht es genauso.

Sagen Sie mir bitte, was ich hören will!

Was ich bemerke ist, dass eine fremde (Fach-)Meinung gelten zu lassen für viele Menschen immer schwieriger wird. Besonders, wenn sie von der eigenen abweicht. Dafür vergibt man doch keine Likes!

Wie trotzige Kinder schleudern diese Menschen ihren Gesprächspartnern ein „Aber“ nach dem anderen entgegen, sperren sich gegen jeden Rat, wiewohl sie ihn ja eigentlich selber gesucht haben. Nur unter falschen Vorzeichen, mit der falschen Erwartungshaltung: Es muss doch geben, was ich will! Sonst gibt´s hier kein Mögen, kein Liken. Anders formuliert: „Sagen Sie mir bitte, was ich hören will.“

„Schicken Sie mir Ihre Mandanten, bevor Sie etwas falsch machen“

Meine Kanzlei liegt in Nordrhein-Westfalen. Traditionell sind hier Anwälte und Notare zwei getrennte Berufsgruppen - den Anwaltsnotar/ die Anwaltsnotarin anderer Bundesländer kennen wir nicht. Wir sind ent- oder weder, sozusagen. So gerate ich ab und zu zwischen die Fronten, wenn ich Mandant*innen erklären muss, dass ich den gewünschten Erbvertrag zwar vorbereiten und mit dem Steuerberater feinjustieren kann, nicht aber dingfest machen.

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