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Ein Hoch(glanzmagazin) auf den Anwaltsberuf!

Es ist Januar und im Briefkasten treffen die ersten Hochglanzmagazine des neuen Jahres ein. Abnehmtipps, Frühjahrskollektionen, Jahreshoroskope. Alles neu, alles wie gehabt. Ich frage mich, wie wohl ein Hochglanzmagazin meines Berufes aussähe? Fachzeitschriften haben wir – auch Magazine und Hochglanzwerbung. Aber ich denke an so ein schickes Hochglanzmagazin mit Fotostrecken, savoir vivre und Glitzer. Das haben wir doch auch!

Kaum habe ich das zu Ende gedacht, klopft mein inneres Engelchen an: „AnwältInnen wollen nicht glitzern, ihre Leistung soll das.“ Ich verschlucke mich vor Lachen fast an meinem Kaffee. Engelchen, darum ging es doch gar nicht. Ich meinte ein Magazin, das den Glanz, den Humor und auch die manchmal so herrliche Absurdität unseres Berufes widerspiegelt. Ein Magazin, das junge Menschen anzieht, sich in diesem breiten Berufsfeld zu versuchen, sich als AnwältInnen, Fachangestellte, BüromanagerInnen, RechtpflegerInnen usw. auszutoben. Ganz ohne „Lerne und studiere wie folgt“- Ernsthaftigkeit, außerhalb von mühsam ertragenen Pflichtschulpraktika und - trotz Glitzer - mit klarer Abgrenzung von amerikanischen Suits-Träger-Serien.

Welche Themen würden die Januar-Titelseite zieren?

Ich erlaube mir, Redaktion zu spielen.

Vielleicht diese:

Das schlanke Büro – Abnehmtipps für den Verwaltungskram.

Die aktuelle Frühjahrskollektion – wie der Büroalltag bunt wird.

Dazu kein weißer Grund mit schwarzer Schrift und Bildausschnitt, sondern richtig frech bunt. Ohne offenherzige TV-Magazin-Dame natürlich, aber auch ohne „Mädchen mit dem Perlenohrring“. Vielleicht eine freche Justitia mit Hoodie und Sneakers? Hm. Hier wird eine erfahrenere Bildredaktion gebraucht, ich bin doch eher textlastig begabt.

Ich mache mich besser an den Innenteil. In die Januar-Ausgabe muss einfach ein Horoskop: „Für Zögernde im Zeichen der Waage ist die Zeit für wichtige berufliche Entscheidungen gekommen. Alte Hasen freuen sich an einer günstigen Datenkonstellation, die alle Fachprogramme fehlerfrei laufen und updaten lässt.“ Der Januar hat lange 31 Tage. An irgendeinem wird das schon stimmen.

Boulevard

Ein bisschen „Wer mit wem?“ Wie gut, dass Stars so gerne AnwältInnen heiraten. Da findet sich was. Ist ja irgendwie auch eine Art berufliche Aufstiegsperspektiven-Rubrik.

Im Ratgeberteil: „Wie machen Sie das?“

Diesmal „Wie umgehen mit der Samstagspost?“ Erbeten werden Hinweise und Erfahrungen zum Umgang mit der Freitagabend-Arbeitswut von KollegInnen, die sich samstags im realen und im digitalen Postkasten materialisiert. Eilig, versteht sich. Da Wohnung und Büro nur durch eine Etage getrennt sind und sich den Briefkasten teilen, ist das meine immerwährende Versuchung. „Muss nur noch kurz die Welt …“ Sie verstehen? Antworten bitte per beA. Da komme ich samstags nicht ran.

Kunst & Co. fehlen noch

Literatur, bildende Kunst, die neuesten Filme über, von und mit JuristInnen. Altes und Neues, die gesamte Rezeption eines uralten und doch immer wieder neuen Berufsfeldes. Da fallen mir dutzende Themenbeiträge ein. Justitia kreativ – das ging schon immer gut. Wie viele allein in meinem beruflichen Umfeld malen, bildhauern, schreiben, filmen! Ganz entgegen der Klischees vom Auswendiglern-Berufsfeld mit noch formalistisch denkenderen Berufsträgern.

Zuletzt noch die Kategorie „Absurdes aus dem Kanzleialltag“

Im Januar: „Der Saugroboter als Friedensstifter“. Darin erzähle ich, wie unsere Saug-KI die äußerst angespannten und zudem festgefahrenen Sanierungsverhandlungen eines Unternehmens in heillos-fröhliches Gelächter-Chaos verwandelte, weil jeder versuchte, dem Saugflitzer durch Füße hoch den Weg frei zu machen (und die Schuhe zu retten). Was nach Abklingen der Lachtränen-reichen Begleiterscheinungen den Weg frei machte und das Unternehmen rettete. Nimm das, staub-trockenes Berufsklischee!

Ganz schön viele Themen haben wir zu bieten – auch außerhalb vom Fachlichen. Eigentlich ist für jeden was dabei. Glitzernd, absurd, kreativ. Vielleicht wird es Zeit, unserem potenziellen Nachwuchs genau das mal zu zeigen. Aktiv damit auf ihn zuzugehen. Es muss ja nicht gleich mit einem Hochglanz-Magazin sein. Ein bisschen Glanz-Vermittlung im Alltag reicht schon.

Hiermit erkläre ich 2023 zu dem Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen – und glänzen!

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