Der Druck auf Arbeitnehmer und Mieter ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Dies spiegelt sich auch in den Zahlen der Klagen vor den Arbeits- und Zivilgerichten wider, in denen Betroffene um ihre Rechte kämpfen. In seinem jüngsten „Trendmonitor Recht“ hat der weltweit größte Rechtsschutzversicherer, die ARAG SE, festgehalten, dass in Deutschland insb. auf den Gebieten des Arbeitsrechts und des Mietrechts die Rechtsschutzfälle in den letzten fünf Jahren sprunghaft angestiegen sind. Daraus lasse sich ablesen, dass die Wirtschaft leide und der Kostendruck spürbar zunehme. Immer mehr Menschen sähen sich gezwungen, ihren Lebensstandard auch juristisch zu sichern und zu verteidigen, so die Schlussfolgerung des Unternehmens.
Wie im Trendmonitor für das Jahr 2025 ausgeführt wird, ist allein im Bereich „Arbeit“ die Zahl der Leistungsfälle in den letzten fünf Jahren um 63 % gestiegen. Besonders auffällig sei die starke Zunahme der Kündigungsschutzklagen mit einem Plus von 33 % im Vergleich zu 2024. Treiber dafür sei u. a. die hohe Zahl an Firmenpleiten, die 2025 in Deutschland auf ein Rekordniveau gestiegen sei und mit rund 21.800 Unternehmensinsolvenzen ein 20-Jahres-Hoch erreicht habe. Der Rechtsschutzversicherer habe die Auswirkungen gespürt: „Wir stellen fest, dass nicht mehr vornehmlich Kunden mit niedrigen Einkommen betroffen sind, sondern auch immer mehr mit mittleren und auch höheren Einkünften“, so Hanno Petersen, Vorstand Konzern IT und Operations bei der ARAG. Der Manager zeigte sich überzeugt: „Der Peak ist noch lange nicht erreicht. Es zeichnet sich der Trend ab, dass das Modell Deutschland – lange Beschäftigung, sichere Arbeitsplätze – bröckelt.“
Rekordzahlen meldete der Versicherer auch im Bereich „Wohnen“: Die Zahl der Rechtsschutzfälle bei Mietern hat bei der ARAG in den vergangenen fünf Jahren um insgesamt 74,34 % zugenommen. Der vorläufige Höhepunkt sei im vergangenen Jahr erreicht worden – mit einer Steigerung von 15,1 % gegenüber dem Vorjahr. Wohnen sei nicht mehr nur teuer, sondern werde für immer mehr Verbraucher zum „dauerhaften Stress- und Konfliktfeld“. Treiber dafür seien insb. gestiegene Nebenkostenabrechnungen aufgrund hoher Betriebs- sowie Energiekosten, Mieterhöhungen und Kündigungen wegen Mietrückständen, analysiert der Trendmonitor Recht. Dabei beobachtet er eine auffällige Verhaltensänderung bei den Versicherungskunden: Die Bereitschaft wachse, auch schon bei kleinen, dreistelligen Beträgen die rechtliche Auseinandersetzung mit dem Vermieter zu suchen. Dies sei ein Indiz dafür, dass die finanziellen Puffer bei den Verbrauchern merklich schrumpften, so die Schlussfolgerung.
Abseits der auffälligen Bereiche „Arbeit“ und „Wohnen“ konnte der Trendmonitor Recht für 2025 allerdings keinen klaren Trend bei Rechtsschutzfällen feststellen. Große Masseschäden seien im Vergleich zu den Vorjahren, die stark durch den Abgasskandal geprägt gewesen seien, nicht aufgetreten, resümiert der Report. 2025 habe die ARAG noch das Thema Datenschutz-Verstöße gem. DSGVO beschäftigt; diese seien jedoch aufgrund der klareren Rechtslage durch die BGH-Rspr. zu diesem Thema zahlenmäßig deutlich geringer ausgefallen. Das Fazit des Versicherers fällt mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen deshalb auch eindeutig aus: Rechtsschutz werde zunehmend zum Seismographen gesellschaftlicher Umbrüche und bilde die Erosion von Sicherheit im Alltagsleben ab.
[Quelle: ARAG]










