In Deutschland haben die Straftaten im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen und lagen sogar höher als im Vor-Corona-Jahr 2019. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2022 hervor, die Bundesinnenministerin Faeser Ende März der Presse vorgestellt hat. Danach haben die Behörden im vergangenen Jahr über 5,6 Mio. Straftaten erfasst. Das ist ein Anstieg um 11,5 % im Vergleich zum Pandemiejahr 2021. Im Vergleich zur Zeit vor Corona – im Jahr 2019 – lag der Anstieg bei 3,5 %.
Die Bundesinnenministerin wies bei der Vorstellung der Zahlen darauf hin, dass der Anstieg der Fallzahlen nach dem Ende der Corona-Beschränkungen nicht überraschend kommt – denn es gebe Nachholeffekte: „Ein normaler Alltag, in dem Menschen frei unterwegs sind, der bringt auch wieder mehr Tatgelegenheiten für Kriminelle mit sich. Das sehen wir bei den Raubdelikten oder bei Körperverletzungen“, so die Ministerin. Der Nach-Corona-Effekt habe sich 2022 insb. im deutlichen Anstieg bei den Diebstählen (plus 20 %), bei den Raubdelikten (plus 27 %) und der gefährlichen und schweren Körperverletzung (plus 18 %) gezeigt.
Große Sorgen machen der Ministerin v.a. das Ausmaß von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und die steigenden Fallzahlen bei Vergewaltigungen, sexueller Nötigung und Übergriffen auf Frauen. Die seit Jahren anhaltende Entwicklung steigender Fallzahlen bei der Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen von Kindern und Jugendlichen setzte sich auch im Berichtsjahr 2022 fort. „Es ist entsetzlich, dass tagtäglich Kinder und Jugendliche Opfer von sexualisierter Gewalt werden. Wir tun alles, um die Täter und ihre Netzwerke zu ermitteln und Kinder zu schützen. Das hat höchste Priorität“, so Faeser. Mit Hochdruck verhandle die Bundesregierung aktuell über europäische Instrumente zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern im digitalen Raum. Vor allem Onlineplattformen müssten in die Pflicht genommen werden, damit Missbrauchsdarstellungen entdeckt, gelöscht und die Täter verfolgt werden. Ein EU-Zentrum gegen Kindesmissbrauch soll die Opfer unterstützen und ihnen erstmals das ausdrückliche Recht geben, zu erfahren, ob Missbrauchsabbildungen noch im Umlauf sind, so die Ministerin.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnete zudem steigende Fallzahlen im Bereich der Vergewaltigung, der sexuellen Nötigung und bei sexuellen Übergriffen. „Wir müssen handeln, um Frauen besser zu schützen und ihnen die Angst vor Übergriffen zu nehmen“, erklärte Nancy Faeser. Dafür braucht es aus ihrer Sicht:
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mehr Präsenz von Sicherheitskräften in öffentlichen Verkehrsmitteln,
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mehr Präsenz an kriminalitätsbelasteten Orten und
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mehr Videoüberwachung.
Auch die Angriffe auf Polizei- und Rettungskräfte haben 2022 zugenommen. 34.218 Polizistinnen und Polizisten sind der Statistik zufolge im vergangenen Jahr angegriffen worden, 7.580 mehr als 2021, beklagte die Innenministerin. Neben konsequenter Strafverfolgung und der Unterstützung der betroffenen Einsatzkräfte gehe es jetzt v.a. darum, die stille Mehrheit zu mehr Solidarität zu aktivieren. Denn Gewalt gegen Polizei und Rettungskräfte gehe uns alle an und dürfe niemandem gleichgültig sein.
Die vollständige 55-seitige Kriminalstatistik 2022 kann auf der Internetseite des Bundesinnenministeriums unter https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/sicherheit/pks-2022.html heruntergeladen werden.
[Quelle: BMI]










