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Zehn Tipps für mein jüngeres Selbst, die man nicht an der Uni lernt

„Ach, hätte ich doch damals….“ Sie kennen das: Rückblickend ist man immer schlauer. Wer nicht das Glück hat, von weisen Eltern oder anderen Vorbildern frühzeitig mit wertvollen Karriere- und Lebenstipps versorgt zu werden, muss alle Erfahrungen selbst machen. Und so gibt es Entscheidungen und Sichtweisen, die man – retrospektiv betrachtet – bereut. Was man hätte besser machen können, realisiert man oft erst, wenn man älter, erfahrener und reflektierter ist.

Diese zehn Tipps würde ich meinem jüngeren Selbst geben:

Noten sind nicht alles.

Und der „Freischuss“ ist überbewertet. Insbesondere, wenn Du selbstständig bist, kräht danach kein Hahn mehr. Ein Studium ist so viel mehr als nur eine jahrelange Examensvorbereitung.

Sammle Auslandserfahrung.

Dabei geht es vorrangig um das Erlebnis, die Erfahrung, die man für sich persönlich mitnimmt, nicht (nur) für den Lebenslauf. Und so muss es auch nicht erst die Auslandsstation im Referendariat sein. Denkbar ist auch eine mehrmonatige Weltreise während des Studiums. Das kostet zu viel Zeit? Dann lies nochmal den vorigen Punkt.

Schaffe Dir ein wertschätzendes Umfeld.

Umgib Dich mit Gleichgesinnten, die Deine Sorgen verstehen und Deine Erfolge mit Dir feiern. Suche Dir Vorbilder, die Dich inspirieren und motivieren. Lerne, um Rat zu fragen.

Vernetze Dich.

Online und offline. Perfektioniere Deinen Umgang mit LinkedIn. Ob als Selbstständige oder auf der Suche nach einem neuen Job: Gute Kontakte sind Gold wert. Baue Dein Netzwerk in alle Richtungen: Kollegen, Ex-Kollegen, alte Freunde, Bekannte, zukünftige Mitarbeiterinnen, Dienstleister und, und, und. Wenn Du mit dem Netzwerken erst anfängst, wenn Du Kontakte brauchst (z.B. beim Jobeinstieg oder der Suche nach einer neuen ReFa), ist es bekanntlich schon viel zu spät.

Erhalte Dir stets Kontakte außerhalb der Juristerei.

Das erfrischt. Ob Freunde, Schulkameraden, Sportkollegen oder Nachbarn – bewahre den Kontakt zu Menschen, mit denen Du nichtjuristische Gemeinsamkeiten hast, ob nun die Freude an Fernreisen, die Liebe zur thailändischen Küche oder Hundehaltung.

Folge Deinem eigenen Weg.

Vertiefe das, was Du interessant findest. Achte Deine Werte und versuche nicht, es allen recht machen zu wollen. Du wirst nie allen gefallen. Also denke auch nicht darüber nach, was Menschen wohl über Dich sagen mögen und hab keine Angst, Fehler zu machen. Denn das wirst Du. Niemand ist perfekt.

Und: Vergleiche Dich nicht. Jeder Lebensweg ist individuell.

Erwäge auch die Selbstständigkeit.

Fragt man Rechtsreferendare nach ihren Karrierewünschen, so ist die Großkanzlei, zumindest aber das Modell Festanstellung, der Klassiker. Sich direkt nach dem Examen selbstständig zu machen, scheint nur für die Wenigsten eine Option. Hier sollte man sich früh über Vor- und Nachteile der jeweiligen Karrierewege Gedanken machen und sich anhören, was erfahrene Vertreter der jeweiligen Modelle zu sagen haben.

Sei gut zu Dir selbst.

Wenn Du nicht an Dich selbst glaubst, wie kannst Du es dann von Anderen verlangen? Die juristische Ausbildungsmühle ist schon hart genug. Belaste Dich nicht zusätzlich mit allzu vielen selbstkritischen oder gar abwertenden Gedanken.

Erwarte nicht, dass alles immer einen Sinn ergibt.

Es wird harte Zeiten geben und Situationen, die unvorhersehbar sind. Corona zum Beispiel. Stelle dann nicht gleich alles in Frage. Du bist stärker, als Du denkst.

Vergiss nicht, zu leben.

Nur allzu schnell ist man gefangen im Hamsterrad des Alltags und den täglichen kleinen und größeren Herausforderungen. Denk daran: Es gibt noch viel mehr da draußen als Jura.

Einzelne dieser Ratschläge regen hoffentlich nicht nur angehende Juristinnen und Juristen in Studium und Referendariat zum Nachdenken an, sondern helfen auch bereits Berufstätigen, die zweifeln oder sich die Sinnfrage stellen. Ich wünsche Ihnen alles Gute! 

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