Literaturkritik: Erbrecht
von Ulf Schönenberg-Wessel, Rechtsanwalt und Notar, Fachanwalt für Erbrecht, Fachanwalt für Sozialrecht, Kiel
Bothe
Die Teilungsversteigerung
3. Auflage, 2025 zerb verlag, ISBN 978-3-95661-160-5, 49 EUR
In seiner 3. Auflage gilt das Handbuch zur Teilungsversteigerung zu Recht als Standardwerk der erbrechtlichen Literatur. Bothe bezeichnet sein Werk im Vorwort als „Büchlein“, was der Qualität, dem Umfang und dem praktischen Nutzen dieses Handbuchs jedoch nicht im Ansatz gerecht wird. Das Handbuch gliedert sich in fünf Teile. Ausgehend von einer Einleitung stellt der Autor Antrags- und Verfahrensvoraussetzungen, verfahrenshindernde Rechte sowie den Aufschub des Verfahrens durch einstweilige Einstellung detailliert und gut verständlich dar. Der fünfte Teil ist einer Übersicht über Rechtsbehelfe und Fristen gewidmet und rundet die Darstellung ab. Bothe versteht es auf hervorragende Weise, die Systematik der Teilungsversteigerung darzustellen und den Leser rechtssicher durch das Verfahren zu führen. Ausführungen zu den Einwendungen ermöglichen dem Leser eine effektive Verteidigung der Interessen der beteiligten Miterben. Die Anschaffung des Handbuchs zur Teilungsversteigerung sollte für Erbrechtler — zumindest, sofern sie Erbengemeinschaften nicht kategorisch als Mandat ablehnen — obligatorisch sein.
Finkenberger
Erbschaft ohne Streit
2025 hedi Verlag, ISBN 978-3-00-082290-2, 35 EUR
Mit dem Anspruch, die Liebsten vor Chaos und Konflikten zu schützen, legt Finkenberger die 2. Auflage ihres Laienhandbuchs vor. Sie widmet sich u.a. dem richtigen Zeitpunkt für ein Testament, dem Inhalt und individuellen Lösungen der Testamentsgestaltung sowie dem Pflichtteilsrecht. Auch die Bereiche Testamentsgestaltung zugunsten von Menschen mit Behinderung und Erbschaftsteuer spart Finkenberger nicht aus. Ergänzt wird das Buch durch ein Bonuskapitel zur Kommunikation über die eigene Testamentsentscheidung. An verschiedenen Stellen bietet das Buch praxisorientierte Formulierungsbeispiele. Finkenberger betont immer wieder die besondere Bedeutung anwaltlicher Beratung und zeigt auch die Vorteile einer notariellen Beurkundung der Verfügung von Todes wegen auf. Das Buch beschreibt das Erbrecht verständlich und pragmatisch, wovon auch Erbrechtler erheblich profitieren.
Formularbuch Recht und Steuern
Gesellschaftsverträge, Sonstige Verträge, Besteuerungsverfahren, Rechtsmittelverfahren, Steuerstrafverfahren
1., neu bearbeitete Auflage, 2025 C.H.Beck, ISBN 978-3-406-81224-8, 225 EUR
Im Kontext der gesellschaftsrechtlichen Vermögensnachfolge stellt das Formularbuch Recht und Steuern ein absolutes Must-have dar, das in keiner erbrechtlichen Bibliothek fehlen sollte. Das Formularbuch gliedert sich in sechs Teile, wobei der erste Teil den Gesellschaftsverträgen und der zweite Teil den sonstigen Verträgen gewidmet ist. Die Teile drei bis fünf widmen sich dem Besteuerungsverfahren, dem Rechtsmittelverfahren und dem Steuerstrafrecht. Den Abschluss bildet ein Kapitel über mandatsbezogene Verträge. Im Kapitel zu den Gesellschaftsverträgen finden sich neben der GbR und der GmbH u.a. auch die Partnerschaft, der Verein und die Stiftung. Exemplarisch sei hier das Kapitel „Stiftung“ von Alvermann herausgegriffen. Dieser stellt fünf Satzungsmuster und das Muster eines Stiftungsgeschäfts einer nicht rechtsfähigen Stiftung vor. Die Muster werden — wie an jeder anderen Stelle des Buchs auch — detailliert erläutert und durch eine Vielzahl von Belegstellen und Verweisen zu einem außerordentlich praxisnahen Gesamtbild zusammengefügt. Neben der Printversion steht dem Leser ein Zugriff auf das Werk bei beck-online zur Verfügung, das laufend aktualisiert wird.
Herrler
Gesellschaftsrecht in der Notar- und Gestaltungspraxis
3. Auflage, 2025 C.H.Beck, ISBN 978-3-406-81743-4, 298 EUR
Das Handbuch „Gesellschaftsrecht in der Notar- und Gestaltungspraxis“ liegt nunmehr in seiner 3. Auflage vor. Die Neuauflage berücksichtigt sämtliche gesetzgeberischen Änderungen sowie die umfangreiche Literatur und Rechtsprechung bis einschließlich 1.11.2024. Die Bearbeitung zeichnet sich durch wissenschaftliche Tiefe und hohe Praxistauglichkeit aus. Eine Fülle an Hinweisen und Formulierungsbeispielen macht das Handbuch zu einem unverzichtbaren Begleiter im Gesellschaftsrecht. Für die Erbfolge relevante Themen werden im Hinblick auf die jeweilige Gesellschaftsform fundiert dargestellt und durch exzellente Muster ergänzt. Lohnenswert ist auch die Auseinandersetzung mit den Aspekten der Vermögensnachfolge in die jeweilige Gesellschaft. Das Handbuch sollte auch in seiner 3. Auflage einen festen Platz in der eigenen Bibliothek haben und stets griffbereit sein, wenn im erbrechtlichen Mandat gesellschaftsrechtliche Bezüge eine Rolle spielen.
Krah
Erbrecht und Erbschaftsregulierung
2025 Antigonos Verlag, ISBN 978-3-388-88490-5, 49,90 EUR
Der Antigonos Verlag hat einen unveränderten Nachdruck der Originalausgabe des Buchs „Erbrecht und Erbschaftsregulirung sowie internationale Grundsätze und Vertragsbestimmungen in Erbschaftssachen für die Rechtsgebiete der Preußischen Monarchie mit Berücksichtigung der Particularrechtlichen Erbfolgeordnungen und der Nachlaßbehandlung in den Einzelstaaten Deutschlands“ herausgegeben. Das Buch enthält Formulare u.a. für Testamente, Erbschaftskäufe und Inventarien. Der Leser erfährt beispielsweise, dass Pflichtteilsberechtigte im Allgemeinen Landrecht Miterben waren und Abkömmlinge u.a. enterbt werden konnten, wenn sie „durch unehelichen Beischlaf die elterliche Einwilligung“ zur Eheschließung erzwingen wollten. Es ist hochspannend, sich in dieses rechtshistorische Werk zu vertiefen, das immer wieder Bezüge zum geltenden Recht ermöglicht.
Kreutziger/Schaffner/Stephany
Bewertungsgesetz: BewG Kommentar
6., neu bearbeitete Auflage, 2024 C.H.Beck, ISBN 978-3-406-81486-0, 159 EUR
Ohne eine aktuelle Kommentierung zum Bewertungsgesetz fällt die Bearbeitung erbschaftsteuerrechtlicher Fälle schwer und birgt ein erhebliches Haftungsrisiko. Die 6. Auflage dieses Standardkommentars enthält alle Neuerungen zur Immobilienbewertung und Grundsteuer. Die Bearbeiter haben eine Vielzahl von Erlassen, Gerichtsurteilen und Literatur in die Aktualisierung eingearbeitet. Sie stellen das Bewertungsgesetz kurz, prägnant und auf fundierter wissenschaftlicher Grundlage dar. Die Autoren setzen sich mit Literatur und Rechtsprechung bisweilen kritisch auseinander, wobei sie stets die herrschende Meinung bzw. die vorherrschende Rechtsprechung angeben, sodass der Leser sich eine eigene Meinung bilden und gleichzeitig für den Mandanten eine sichere Empfehlung aussprechen kann. Die Anschaffung des Kommentars zum Bewertungsgesetz in seiner 6. Auflage ist nachdrücklich zu empfehlen.
Liero
Negative Feststellungsklage und Verjährungshemmung
2024 Nomos, ISBN 978-3-7560-1264-0, 54 EUR
Die vorliegende Arbeit wurde im Sommersemester 2023 vom Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität Berlin als Dissertation angenommen. Die Arbeit gliedert sich in drei Kapitel. Im ersten Kapitel stellt Liero die Verjährungshemmung im negativen Feststellungsverfahren dar. Das zweite Kapitel widmet sich der Verjährungshemmung im grenzüberschreitenden negativen Feststellungsverfahren, während sich das dritte Kapitel dem Handlungsbedarf und den Handlungsoptionen im Detail widmet. Liero arbeitet heraus, dass der Hemmungswirkung der Verjährung im negativen Feststellungsverfahren bislang wenig Beachtung geschenkt wurde. Die Arbeit schließt mit einem Gesetzgebungsvorschlag zu § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB. Die gut strukturierte und nachvollziehbar begründete Dissertation liefert einen wichtigen Beitrag zur negativen Feststellungsklage und ist – auch unabhängig von der Frage, ob der Gesetzgeber den Vorschlag aufgreifen wird – für den Leser eine Bereicherung.
Münchener Handbuch des Gesellschaftsrechts
Band 1: BGB-Gesellschaft, Offene Handelsgesellschaft, Partnerschaftsgesellschaft, EWIV
6., neubearbeitete Auflage, 2024 C.H.Beck, ISBN 978-3-406-80561-5, 239 EUR
Die neu bearbeitete Auflage des „Münchener Handbuchs Gesellschaftsrecht“ (Band 1) widmet sich zunächst dem MoPeG und der rechtsfähigen GbR. Ferner werden die nicht rechtsfähige GbR, die Partnerschaftsgesellschaft und die OHG umfassend und detailliert dargestellt. Zu jeder Rechtsform findet der Leser auch Ausführungen zu erbrechtlichen Fragen bzw. zum Tod des Gesellschafters. Neben gesellschaftsvertraglichen Regelungen im Hinblick auf den Tod des Gesellschafters finden sich stets auch Gestaltungen von Verfügungen von Todes wegen, die sich hervorragend in die Praxis umsetzen lassen. Die umfassende Darstellung der einzelnen Gesellschaftsformen eröffnet alle Möglichkeiten für eine rechtssichere und an den Bedürfnissen des Mandanten orientierte Gestaltung und Umsetzung. Besonders die Ausführungen zum Tod des Gesellschafters machen immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, Erbrecht und Gesellschaftsrecht miteinander in Einklang zu bringen. Eine nicht abgestimmte Verfügung von Todes wegen kann katastrophale Folgen haben – woran die Bearbeiter keinen Zweifel lassen. Das „Münchener Handbuch des Gesellschaftsrechts“ ist auch für Erbrechtler wichtig und uneingeschränkt zur Anschaffung zu empfehlen.
Musielak/Voit
Zivilprozessordnung: ZPO mit Gerichtsverfassungsgesetz
Kommentar 22., neubearbeitete Auflage, 2025 Vahlen, ISBN 978-3-8006-7550-0, 185 EUR
Die 22. Auflage setzt die Vielzahl gesetzgeberischer Änderungen im Bereich des Zivilprozesses um und führt sie einer fundierten Kommentierung zu. Exemplarisch für die herausragende Kommentierung sei die Bearbeitung von Stadler zu § 128a ZPO hervorgehoben. Die Regelung über die Videoverhandlung wurde dahingehend angepasst, dass dem Antrag auf Videoverhandlung stattzugeben ist. Stadler macht jedoch deutlich, dass insbesondere fehlende Kapazitäten weiterhin eine Ablehnung rechtfertigen. Von besonderer Bedeutung sind die Ausführungen in den Randnummern 15 und 16 zu technischen Störungen. Stadler betont, dass auch bei fehlender Bildübertragung eine mündliche Verhandlung durchgeführt werden kann, wenn sich die Partei rügelos einlässt. Nur wenn die Partei die technische Störung rügt und das Gericht die mündliche Verhandlung nicht unterbricht, liegt ein Verstoß gegen das Mündlichkeitsprinzip vor. Der Musielak/Voit, der umfassend auch digital verfügbar ist, ist ein zuverlässiger Begleiter in jeder zivilprozessualen Situation.
Schäfer
Vereinszweck und Gemeinnützigkeit
Fachbuch 2024 Nomos, ISBN 978-3-7560-1687-7, 119 EUR
Die vorliegende Arbeit wurde im Wintersemester 2023/24 von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn als Dissertation angenommen. Die Arbeit gliedert sich in drei Kapitel mit insgesamt 11 Teilbereichen. Im ersten Kapitel stellt Schäfer systematisch die Grundlagen des Vereinszwecks und der Gemeinnützigkeit dar. Den Schwerpunkt setzt Schäfer bei der Rolle der steuerlichen Gemeinnützigkeit im Vereinsrecht. Dabei geht er u.a. auch auf Zweckänderungen im Vereinsrecht ein. Das dritte Kapitel widmet er der freiwilligen Aufgabe der Gemeinnützigkeit. Schäfer leistet einen herausragenden Beitrag zum Verständnis des Vereinszwecks in seinen unterschiedlichen Facetten und zum Gemeinnützigkeitsrecht. Die gut strukturierte Arbeit ist eine Bereicherung für den Leser, der sich insbesondere auch aufgrund des klaren Schreibstils gerne in die Arbeit vertieft.
Stumpf/Suerbaum/Schulte/Pauli
Stiftungsrecht
BGB-Stiftungsrecht, Landesstiftungsgesetze, Stiftungssteuerrecht
Kommentar 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage, 2025 C.H.Beck, ISBN 978-3-406-77905-3, 179 EUR
Der Kommentar zum Stiftungsrecht umfasst neben dem Stiftungsprivatrecht auch das Landesstiftungsrecht, das kirchliche Stiftungsrecht sowie die maßgeblichen stiftungssteuerrechtlichen Normen. Der Spezialkommentar zeichnet sich durch seine umfassende Darstellung des Stiftungsrechts in seiner ganzen Tiefe aus. Durch die hervorragend gelungene Zusammenstellung der kommentierten Normen erhält der Leser alles, was er für die Beratung im Stiftungsrecht benötigt. Ein ausführliches und gut strukturiertes Stichwortverzeichnis ermöglicht es dem Leser, sich besonders gut im Kommentar zurechtzufinden und verschiedene Kommentarstellen sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Der Handkommentar ist geprägt vom „gelebten Stiftungsrecht“ in der Rechtsprechung sowie in der Behörden- und Beratungspraxis. Er ist in seiner 4. Auflage aus der stiftungsrechtlichen Literatur nicht mehr wegzudenken.





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