Beiträge von: Thomas Hillenbrand

Thomas Hillenbrand ist Strafrichter am Oberlandesgericht Stuttgart und ausgewiesener Experte für das Strafrecht, wozu er regelmäßig als Autor und Mitautor publiziert.

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Der Einspruch gegen den StB kann nach § 411 Abs. 3 S. 1 bis zur Urteilsverkündung, in 1. Instanz zurückgenommen werden. Etwas anderes gilt für den (praktisch seltenen) Fall, wenn das StB-Verfahren zwischenzeitlich zu einem erstinstanzlichen Verfahren vor dem LG hinzuverbunden wurde (BGH, Urt. v. 14.1.2021 – 4 StR 95/20, NJW 2021, 795). § 302 Abs. 2 dürfte entsprechend gelten (KK/Maur, § 411 Rn 30), was zur Folge hat, dass der Verteidiger einer besonderen Ermächtigung bedarf. Diese muss nicht schriftlich vorliegen, sondern es genügt, wenn der Verteidiger erklärt, er nehme den Einspruch „namens und in Vollmacht des Angeklagten“ zurück.
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Ist zu Beginn der HV der Angeklagte unentschuldigt ausgeblieben und auch nicht wirksam durch einen Verteidiger vertreten, muss das Gericht nach § 412 S. 1 den Einspruch verwerfen (OLG Brandenburg wistra 2012, 43). Die Verwerfung ist beim Vorliegen der Voraussetzungen des § 412 zwingend (Meyer-Goßner/Schmitt, § 412 Rn 1; KK/Maur, § 412 Rn 10).
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Eine Ausnahme von der grds. bestehenden Anwesenheitspflicht des Angeklagten ergibt sich für das StB-Verfahren aus § 411 Abs. 2. Danach kann sich der Angeklagte in der HV durch einen mit nachgewiesener Vollmacht versehenen Verteidiger vertreten lassen (Schmuck/Leipner StraFo 2012, 95, auch zur Frage der Besorgnis der Befangenheit des Amtsrichters, der auf der Anwesenheit des Angeklagten besteht). Die Vollmacht sollte sich ausdrücklich auf die Abwesenheitsvertretung des Angeklagten in der HV beziehen und nicht lediglich zur „Verteidigung und Vertretung“ ermächtigen (u.a. OLG Celle, Beschl. v. 18.1.2021 – 2 Ss 119/20, NStZ 2021, 764 für die Berufungs-HV).
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Die Beschwerde komplettiert das Rechtsschutzsystem gegen Beschlüsse und Verfügungen sowie gegen die weiteren gerichtlichen Entscheidungen, die nicht mit Berufung, Revision oder einem anderen förmlichen Rechtsbehelf angefochten werden können, sofern sie nicht in gesetzlich bestimmten Fällen ausgeschlossen (SSW-StPO/Hoch, vor §§ 304 ff. Rn 5) oder durch § 305 S. 1 eingeschränkt ist. Das Gesetz sieht die „einfache“ (§ 304), die weitere (§ 310 Abs. 1) und die sofortige Beschwerde (§ 311) vor.
Privatparkplatz; Vertragsstrafe; sekundäre Darlegungslast
1. Zwischen dem Betreiber eines privaten Parkplatzes und dem Fahrzeugführer kommt ein Vertrag über die Nutzung eines Fahrzeugabstellplatzes zu Stande, indem der Fahrzeugführer das als Realofferte in der Bereitstellung des Parkplatzes liegende Angebot durch das Abstellen des Fahrzeugs annimmt. 2. Verstößt der Fahrzeugführer gegen die Parkbedingungen und verwirkt er dadurch eine Vertragsstrafe („erhöhtes Parkentgelt“), haftet […]
Unfall, Sachverständigenkosten
Zur Schätzung des erforderlichen Herstellungsaufwands (hier: Kosten eines Kfz-Sachverständigen). BGH,Urt. v.17.12.2019–VI ZR 315/18 I. Sachverhalt Die Parteien streiten um den Ersatz restlicher Sachverständigenkosten. Nach einem Verkehrsunfall hatte der Kläger einen Sachverständigen beauftragt, der aufgrund einer Honorarvereinbarung für seine Tätigkeit ein Honorar i.H.v. 704,96 EUR brutto berechnete. Hiervon zahlte die beklagte Haftpflichtversicherung 407 EUR. Die Differenz […]
Unverzüglichkeit der Beiordnung des Pflichtverteidigers
Beantragt ein Beschuldigter nach Eröffnung des Tatvorwurfs die Beiordnung eines Pflichtverteidigers, hat diese, sofern die Voraussetzungen des § 140 StPO gegeben sind, unverzüglich zu erfolgen. Weder darf die Beiordnung an Bedingungen geknüpft werden, noch ist ein Zuwarten mit der Entscheidung über den Antrag zulässig (Leitsatz des Verfassers). 1.LG Detmold,Beschl.v.5.5.2020–23 Qs-22 Js 258/20-31/20 2.LG Nürnberg-Fürth,Beschl.v.4.5.2020–JKII Q; […]
Autorennen; bedingter Tötungsvorsatz; Eigengefährdung
1. Die Bewertung der Eigengefährdung durch den Täter kann abhängig von seinem Vorstellungsbild über mögliche Tathergänge abgestuft sein; so kann er bei Fassen des Tatentschlusses einen bestimmten gefahrbegründenden Sachverhalt hinnehmen, während er auf das Ausbleiben eines anderen, für ihn mit höherem Risiko verbundenen Geschehensablaufs vertraut. 2. Für die Prüfung, ob ein Unfallgeschehen mit tödlichen Folgen […]
Schriftliche Übersetzung der Urteilsgründe für den verteidigten Angeklagten
1. Der Angeklagte hat grundsätzlich keinen Anspruch auf schriftliche Übersetzung eines nicht rechtskräftigen erstinstanzlichen Strafurteils, wenn er verteidigt ist, er und sein Verteidiger bei der Urteilsverkündung anwesend waren und dem Angeklagten die Urteilsgründe durch einen Dolmetscher mündlich übersetzt worden sind. 2. Ein berechtigtes Interesse des Angeklagten an einer schriftlichen Übersetzung des Urteils wird nicht allein […]
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