Stimme und Corona: Die Pandemie macht stimmliche Probleme sichtbar
Autor*in: Ute Bolz-Fischer M.A.
01.06.2021

Stimme und Corona: Die Pandemie macht stimmliche Probleme sichtbar



Corona zwingt viele Menschen ins Homeoffice. Dabei tritt ein Werkzeug besonders in den Vordergrund: die Stimme. Wer stimmliche Probleme hat, bekommt das in der aktuellen Situation besonders zu spüren. Mit einem Stimmtraining lassen sich die unterschiedlichsten stimmlichen Herausforderungen meistern.


Seit über einem Jahr ist das öffentliche Leben eingeschränkt. Auch die Arbeitswelt hat sich durch Corona drastisch verändert: Homeoffice, Videokonferenzen und Telefonate prägen den Alltag auch für Anwältinnen und Anwälte. Das hat Auswirkungen auf Arbeitsabläufe und Zusammenarbeit. Aber auch auf ein weithin unterschätztes Softskill jedes Einzelnen: die Stimme. Wo sie vorher nur ein Teil des Gesamtbildes, das man als Anwalt oder Anwältin abgibt, ausgemacht hat, rückt sie jetzt ins Zentrum des Wahrnehmbaren. Besonders in Telefonaten, aber auch in Videokonferenzen kann man stimmliche Probleme mit körperlicher Präsenz nicht mehr ausgleichen. Die Stimme wird zum Dreh- und Angelpunkt des Wahrnehmbaren. Deshalb tut man gut daran, sich um sie zu kümmern.


Das Problem der technischen Übertragung

Das Homeoffice bzw. das digitale Arbeiten birgt ein spezielles Problem in sich, das vielen nicht klar ist: Tools wie Skype, Zoom oder Teams müssen das in den Computer gesprochene Tonmaterial für die Übertragung komprimieren. Das heißt, die genutzten Frequenzen werden beschnitten. Einer Stimme ohne Probleme kann das wenig anhaben. Sind jedoch Schwierigkeiten vorhanden, werden diese durch die Übertragung gut inszeniert: Jede Art von Technik vergrößert das Problem auf der Empfängerseite. Die Bedingungen in Videokonferenzen, aber auch am Telefon, sind also für die Stimme nicht die besten.


Die unsichtbare Macht der Stimme

Doch auch ohne das Homeoffice, d. h. in Präsenzsituationen, ist die Stimme ein wesentlicher Faktor im Arbeitsalltag von Anwältinnen und Anwälten. Denn sie verkaufen eine Dienstleistung, die auf Vertrauen basiert. Aber wie weckt man dieses Vertrauen in (potenziellen) Mandantinnen und Mandanten? Kompetenz ist sicher ein Pfeiler, auf dem es aufbaut. Ein zweiter Pfeiler liegt in der Authentizität. Wer authentisch und kompetent rüberkommt, dem trauen wir zu, sich um unsere Belange zu kümmern. Das gilt im B2B- genau wie im B2C-Geschäft. Die Stimme ist Teil eines Eindrucks, den wir auf unser Gegenüber machen – und zwar kein geringer. Deshalb tut man gut daran, sich an diesem Punkt gut aufzustellen. Welche Wirkung Stimmprobleme auf andere haben können, kann man vor allem an sich selbst sehr gut beobachten.

Wir haben eine bestimmte Erwartungshaltung daran, wie die Menschen, denen wir begegnen, klingen könnten. Frauen mit Reibeisenstimme, große kräftige Männer mit Fistelstimme, … Das erscheint uns nicht stimmig. Jeder hat schon einmal einen Vortrag mit wirklich interessantem Thema gehört und konnte sich aufgrund der Sprechweise des Vortragenden nicht auf das Gesagte konzentrieren. Diese Erfahrung beweist die Macht der Stimme auf die Wirkung von Menschen. Stimmliche Probleme sorgen für ein Irritationsmoment – und dieses wirkt sich nicht gut auf die Vertrauensbildung aus, auch wenn man im Zweifel vielleicht selbst gar nicht benennen kann, was das Problem am Auftreten des Gegenübers ist. Unterbewusst wirkt es sich dennoch aus. Der Track-Record der Stimme ist also unsichtbar – zu vernachlässigen ist er deshalb aber noch lange nicht.


Vielfalt der stimmlichen Probleme

Stimmliche Probleme können vielfältig sein. Sie reichen von schnellen Ermüdungserscheinungen über einen unnatürlichen, weil zu hohen oder zu tiefen Stimmklang bis hin zu gravierenderen Themen wie Lispeln oder Stottern. Gerade bei einem vollen Arbeitsalltag im Homeoffice ist es häufig so, dass man irgendwann mit seinen Kräften am Ende ist. Die Stimme bricht weg, ist belegt und durch häufiges Räuspern verschlimmern sich diese Symptome, bis man am Ende des Arbeitstages kein Wort mehr herausbringt und das Privatleben möglichst still erleben muss. Schade drum!


Stimmtraining – was ist das eigentlich?

Abhilfe kann ein Stimmtraining schaffen. Wie der Gang ins Fitnessstudio, um die körperliche Konstitution aufrecht zu erhalten, hilft der Gang zum Stimmtraining, um die Stimme zu kräftigen und zu stärken. Auch sie ist wie ein Muskel, der aufgebaut werden kann. Am besten – wie beim Sport auch – mit einem dafür ausgebildeten Coach, der den Aufbauprozess begleitet, unterstützt und weiß, wo man ansetzen muss.

Genau wie beim Fitnesstraining konzentriert sich der Coach dabei auf den gesamten Körper – nicht nur auf bestimmte Bereiche. Die Probleme mit der Stimme fangen nämlich schon beim Atmen an. Was uns so selbstverständlich vorkommt, ist es häufig nicht. Die meisten Menschen atmen flach in den Brustkorb. Für einen guten Stimmsitz und stimmliche Ausdauer ist das jedoch zu wenig. Eine tiefe Bauchatmung unterstützt die Stimme dabei, ausdauernd und volltönend zu klingen. Wer das übt, hat den Anfang schon gemacht. Über das Singen von Tönen eröffnet der Coach dem Coachee dann einen neuen und anderen Zugang zur Stimme. Das soll nicht bedeuten, dass man das Stimmtraining als Opernstar verlässt. Beim Singen von Tönen geht es lediglich darum, die Möglichkeiten, die die Stimme bietet, kennenzulernen und sich beim Sprechen zunutze zu machen. Man lernt die Resonanzräume des Körpers kennen, die dafür sorgen, dass eine Stimme tragfähig und ausdrucksstark wird.


Die Stimme als akustische Visitenkarte

Eine trainierte Stimme hat nicht nur den Vorteil, dass sie ausdauernd und kräftig ist. Sie bewirkt noch etwas ganz anderes: Sie kann als akustische Visitenkarte dienen – sie macht unverwechselbar, wenn man gut mit ihr umgehen kann.

Jedem Menschen ist eine bestimmte Tonlage eigen. In ihr kann man besonders gut, lange und ausdauernd sprechen. Es ist die Lage, in der man uns von Natur aus artikulieren würde, wenn kulturelle Erziehung und Überformung sie nicht verdrängt hätten. Häufig verursachen alte Angewohnheiten, die man sich im Laufe des Lebens „antrainiert“ hat, dass es schwieriger wird, in dieser sogenannten Indifferenzlage zu sprechen. Ein Stimmtraining kann dabei helfen, diese schlechten Angewohnheiten fallen zu lassen. Dann bekommt jede Stimme ihren ganz eigenen Klang und wird für andere unverwechselbar. Schon wenn man den Telefonhörer in die Hand nimmt und ein unverbindliches „Hallo“ hineinspricht, wird das Gegenüber am anderen Ende der Leitung wissen, wer dran ist.

Den Klang der eigenen Stimme gilt es also, wie einen Schatz zu heben. Und mit diesem Schatz gehen auch die Ausdauer und ein authentisches Auftreten als Person und als Anwalt/Anwältin einher. Mit diesem Softskill an Bord erarbeitet man sich nicht nur Vorteile für das Homeoffice. Auch von Angesicht zu Angesicht gewinnt man ein überzeugendes, authentisches und selbstsicheres Auftreten.

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