Autor*in: Julia Torner
Feb. 15, 2021

Rechtsanwälte bei Instagram – Ein neuer Trend im Kanzleimarketing?


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Als ich mir im Februar 2020 meinen Instagram-Account zulegte, um dort  unterhaltsame Inhalte und Texte für Rechtsanwälte zu schaffen, hatte  ich zuvor keinerlei Forschung dazu betrieben, wieviele deutsche Anwälte  und Juristen sich auf der Plattform tummeln. Nachdem ich dort in den  letzten Monaten ziemlich aktiv war, möchte ich hier über meine Eindrücke  berichten.



Juristen bei Instagram – Examensvorbereitung und Anwaltsleben

Ein nicht unwesentlicher Teil der deutschen Jura-Bubble bei  Instagram, wie ich sie in den letzten Monaten wahrgenommen habe, besteht  aus Jurastudenten, genauer: Studentinnen. Es hat sich eine richtige  kleine „Szene“ von Jurastudentinnen dort gebildet, die – gefühlt – alle miteinander vernetzt sind. Die meisten von ihnen befinden sich in Examensvorbereitung und dokumentieren das über Instagram. Einige Feeds ähneln einander stark, weil sie hauptsächlich ihre Schreibtische,  Gesetzestexte, Karteikarten und Textmarker in verschiedenen, bunten  Arrangements fotografieren. In den Captions (den Texten unter  den Fotos) wird über Alltägliches, den Fortschritt beim Lernen und all  die Höhen und Tiefen berichtet, die das Leben kurz vor dem Ersten  Staatsexamen so mit sich bringt.



Die Anzahl der Profile deutscher Rechtsanwälte und Kanzleien bei Instagram ist recht übersichtlich. Insbesondere die Zahl jener, die  Instagram auch wirklich mehrmals pro Woche attraktiv bespielen, ist  noch recht klein. Nach einigen Wochen auf der Plattform liest man  dieselben Namen immer wieder. Deutschland ist eben nicht der Vorreiter  in Sachen Digitalisierung und das zeigt sich dann entsprechend auch in  der Social-Media-Präsenz von Anwälten. Da ist noch viel Luft nach oben  und Raum, in dieser noch recht exklusiven Nische mitzumischen.



Juristen bei Instagram – Examensvorbereitung und Anwaltsleben

In den USA ist man in Sachen Digitalisierung und  Social Media bekanntermaßen schon etwas weiter. Rechtsanwälte und  Kanzleien zeigen sich deutlich aufgeschlossener hinsichtlich der  Möglichkeiten, die die „Sozialen Medien“ für ihr Kanzleimarketing im  Allgemeinen und das Content-Marketing im Speziellen bieten. Etwa 25% der Anwälte nutzen Instagram regelmäßig zu Marketingzwecken, darunter auch viele der Top-Großkanzleien.  Insofern lohnt sich ein Blick „nach drüben“, um Trends zu erkennen und  sich eine erste Orientierung zu verschaffen, wie man den eigenen Account  bei Instagram gestalten könnte.



Juristen bei Instagram – Examensvorbereitung und Anwaltsleben

Bevor man sich als Rechtsanwalt oder Kanzlei einen Account bei Instagram zulegt, sollte man sich überlegen, warum.

  • Was ist Ziel des Accounts: Akquise neuer Mandate, Information oder vielleicht bloß die Vernetzung mit Kollegen?
  • Was ist die Zielgruppe, die bei Instagram erreicht werden soll: Neue Mandanten, Bestandsmandanten oder Kollegen?
  • Durch welche Inhalte will man diese Zielgruppe erreichen: eher durch Information oder durch Unterhaltung?

Instagram bietet viele Möglichkeiten für individuellen Markenaufbau,  sei es für größere Kanzleien als ganzes oder den Einzelanwalt als  Personenmarke. Anwälte, die schon bei Instagram aktiv sind, stellen sich  in unterschiedlicher Weise dar und

  • teilen Infos zu ihren Services und Rechtsgebieten,
  • vermitteln – laiengerecht aufbereitet – rechtliche „Wissenshappen“,
  • informieren über aktuelle Fälle aus den Medien sowie Urteile und  rechtliche Entwicklungen in bestimmten Branchen oder Rechtsgebieten,
  • stellen ihr Team vor,
  • gewähren tägliche Einblicke hinter die Kulissen des Kanzleialltags  (z.B. bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern, an Weihnachten oder  bei Geburtstagen),
  • informieren über Veranstaltungen und aktuelle Jobangebote

und garnieren das mit ein paar motivierenden Zitaten oder Fotos der morgendlichen Laufrunde.



Juristen bei Instagram – Examensvorbereitung und Anwaltsleben

Man sollte natürlich auch Lust darauf haben, sich mit Instagram zu  beschäftigen. Bevor man Ergebnisse erzielt, braucht es Geduld und die  Aktivitäten wirken überhaupt nur, wenn man das Ganze vernünftig macht,  sprich: durchdacht und regelmäßig. Letzteres wirkt sich auf den  Algorithmus aus und wirkt professioneller als ein halbgar betriebener  Account. Man muss auch nicht auf allen Social-Media-Hochzeiten tanzen,  sondern sollte sich lieber daran orientieren, wo die Zielgruppe sich tummelt und dabei ein Stück weit auch das Portal wählen, das Einem liegt. Statt auf Facebook, Instagram, Twitter und LinkedIn Profile zu  betreiben, dort aber nur 1-2x im Monat etwas zu posten, ist es sicher  ratsamer, sich auf ein oder zwei Plattformen zu konzentrieren, diese  aber richtig zu verstehen und regelmäßig – mehrmals pro Woche – zu  bespielen.



Juristen bei Instagram – Examensvorbereitung und Anwaltsleben

Im Gegensatz zu z.B. LinkedIn ist Instagram eine Plattform, wo die  Persönlichkeit in den Vordergrund rückt. Kanzleien haben oftmals noch  ein konservatives Image. Instagram kann dazu dienen, dass Anwälte  Persönlichkeit zeigen und Kanzleien ihren Mandanten und – ganz wichtig! –  potentiellen neuen Mitarbeitern einen Blick hinter die Kulissen  gewähren. Ob Sommerfest, Bürohund oder neue Referendarin – Themen gibt  es immer. Einfach mal testen!

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