Autor*in: Dr. Anja Schäfer
Okt. 14, 2021

Erfolgreich als introvertierte Anwältin auf Networking-Veranstaltungen


Erfolgreich als introvertierte Anwältin auf Networking-Veranstaltungen

Kontakte auf Veranstaltungen zu knüpfen, auf denen sich mitunter viele Menschen (auch) zum Networking treffen, gehört im Berufsleben dazu. Was tun Sie aber, wenn Sie als Rechtsanwältin nicht gerne auf andere zugehen?

Auf größeren Events zu Netzwerken fällt besonders introvertierten Juristinnen nicht leicht: Sie fühlen sich fehl am Platz, Veranstaltungen ab einer gewissen Größe verursachen ein mulmiges Gefühl im Magen, und die Teilnahme kostet sehr viel Überwindung.

Wie ist es möglich, trotzdem in den Austausch zu kommen und Netzwerken auch als eher zurückhaltende Person für sich zu entdecken?

Erfahren Sie im Folgenden Strategien, mit denen Ihnen auch als introvertierter Mensch das Netzwerken leichtfällt. Diese funktionieren auf großen Netzwerk-Events ebenso wie auf kleinen – sodass Sie die Situation für sich verändern können, und das Ihnen bislang gut bekannte, unangenehme Gefühl im Bauch gar nicht erst aufkommt.


1. Werden Sie sich Ihrer Vorteile als introvertierte/r Netzwerker:in bewusst

Die Netzwerk-Ängste und Fragen von eher zurückhaltenden Anwältinnen sind sich häufig ähnlich: Wie gelingt mir die Erstansprache? Wie reagiere ich, wenn vom Gegenüber keine Reaktion kommt? Was mache ich, um die richtigen Worte zu finden? Wie spreche ich jemanden grundlos an? Was sollte ich beachten, wenn ich mich kurz vorstelle?

Dabei vernachlässigen Introvertierte gerne, dass sie beim Netzwerken Qualitäten mitbringen, die es ihnen erlauben, schnell und leicht in den Austausch zu kommen: Sie sind oft ausgezeichnete Beobachterinnen und Zuhörerinnen. Sie können die Stimmung im Raum gut erfassen und im Austausch selbst schnell einschätzen, ob ihr Gegenüber eher introvertiert oder eher extrovertiert unterwegs ist. Im Gespräch sind sie fokussiert auf ihr Gegenüber; dadurch können sie gut in die Tiefe gehen und sich in die andere Person hineinversetzen. Ihr Zuhören machen sie für andere durch nonverbale Kommunikation oder Rückfragen sichtbar. Gleichzeitig erkennen sie auch, wenn das Gespräch zu Ende ist und sind bereit sich einem anderen Thema oder Gesprächspartner zuzuwenden. Die Gespräche werden so für beide Seiten angenehm, der Austausch ist intensiv.

All diese Qualitäten bringen Sie mit – das dürfen Sie sich als introvertierte Anwältin regelmäßig bewusst machen!


2. Melden Sie sich frühzeitig an und freiwillig

Welche introvertierte Anwältin hat in der Vergangenheit größere (und auch kleinere) Networking-Events immer als unangenehmen Termin während oder gar am Ende eines anstrengenden Arbeitstages gesehen. Statt der gewünschten Verschnaufpause oder einer Ausrede, die Ihnen die Teilnahme ersparen würde, „trotten“ Sie etwas widerwillig hin.

Um solche Situationen zukünftig anders und damit besser für sich selbst wie auch für Ihre beruflichen Perspektiven zu nutzen, empfiehlt es sich, sich zum einen frühzeitig zu (Netzwerk-) Veranstaltungen anzumelden und sich zum anderen mental darauf vorzubereiten. Gönnen Sie sich an solchen Tagen ein entspanntes Mittagessen, oder planen Sie zwischen der Arbeit und dem (Abend-) Event etwas Zeit für sich ein.

Melden Sie sich zudem freiwillig, wo immer es möglich ist. Sagen Sie Ihre Unterstützung im Voraus zu. Introvertierte Menschen fühlen sich in genau definierten Rollen wohl. Durch Ihre aktive Mitwirkung (bspw. beim Check-In usw.) haben Sie einen konkreten Anlass, mit anderen ins Gespräch zu kommen.

Treffen Sie frühzeitig ein. Es ist nicht nur für eher zurückhaltende Menschen besser, einen Raum mit wenigen Menschen als einen überfüllten zu betreten. Außerdem bietet sich am Anfang häufiger die Gelegenheit, sich nützlich zu machen.


3. Gestalten Sie Ihr Networking aktiv

Stellen Sie sich regelmäßig die Frage, wie Sie es schaffen können, aktiv ins Netzwerken zu kommen, auf andere Menschen zuzugehen und Gespräche zu knüpfen?

Das ist gar nicht so schwer. Beginnen Sie bei sich selbst. Hinterfragen Sie Ihre Einstellung zum Thema Netzwerken. Konzentrieren Sie sich auf die Vorteile des Networkings. Sie bieten beispielsweise Ihren Gesprächspartner:innen, wie bspw. potenziellen Mandant:innen oder Geschäftspartner:innen, einen Mehrwert, indem Sie diese bei ihren Themen und/oder juristischen Herausforderungen mit Ihrer Expertise unterstützen können. Gleichzeitig profitieren Sie regelmäßig von Ihren und ggfs. auch von deren Netzwerkkontakten. Beides funktioniert allerdings nur, wenn Sie sich trauen, sich auf Netzwerkveranstaltungen authentisch zu zeigen und mit bis dato unbekannten Personen in den Austausch regelmäßig zu gehen.

Anstatt sich auf Menschen zu fokussieren, die Sie schon kennen, ist es viel wichtiger, auf Events auch über ihren bekannten Personenkreis hinaus zu netzwerken. Dafür können Sie sich von jemand anderen vorstellen lassen oder gezielt vereinzelt sich im Raum befindliche Personen – denen es meist ähnlich wie Ihnen geht – ansprechen.


4. Überdenken Sie Ihre Erwartungen

Setzen Sie sich konkrete, realistische und messbare Ziele. Erwarten Sie auf einer Netzwerkveranstaltung, auf der Sie noch keine Person kennen, nicht von sich, dass Sie dort mit der Hälfte der Menschen in den Austausch kommen. Darum geht es nicht. Ihr Anspruch sollte sein, auf eben diesem Event ein, zwei, vielleicht sogar drei gute und gerne auch längere Gespräche zu führen. Wenn Sie danach für sich feststellen, dass Sie einen Kontakt mit Potenzial geknüpft und gegebenenfalls noch einen weiteren (im Einzelfall auch bekannten) intensiviert haben – dann dürfen Sie dieses Event als Netzwerkerfolg werten.


5. Nutzen Sie das Setting zu Ihrem Vorteil

Für Sie als introvertierte Anwältin ist nicht nur der Gesprächseinstieg, sondern auch der Verlauf leichter zu händeln, wenn Sie sich auf wenige (am besten 1-2) Personen fokussieren. Konzentrieren Sie sich daher darauf, sich mit diesen Menschen auszutauschen und mit ihnen bekannt zu werden. Blenden Sie – wenn möglich – die anderen Menschen im Raum – zumindest vorübergehend – aus. Das nimmt Ihnen nicht nur den Druck. Auch das mulmige Gefühl verflüchtigt sich so schnell.

Für viele ist die Interaktion und damit der (Business) Small Talk mit Fremden der herausforderndste Teil der Netzwerkpflege. Es geht beim Gesprächseinstieg nicht unbedingt darum, dass Sie viel (von sich) erzählen. Die meisten Menschen freuen sich über aufmerksame Fragen und ehrliches Interesse an ihrer Person und ihren Themen. Wer sich für andere interessiert, kommt gut an und ist auch interessant für andere.


6. Erzählen Sie etwas über sich

Einbahngespräche gefallen nicht jedem und münden häufig in ungleichgewichtige Beziehungen. Bringen Sie sich daher auch selbst, Ihre persönliche Geschichte und/oder berufliche Expertise bewusst ein, und nutzen Sie dies als Anknüpfungspunkt in passenden Gesprächsmomenten.

Entscheiden Sie im Voraus, was Sie von sich preisgeben wollen. Haben Sie daher stets einen gut vorbereiteten Elevator Pitch zur Hand, der Sie und Ihre Geschichte kurz und knackig zusammenfasst. Auf diese Weise punkten Sie nicht nur mit Ihrer Persönlichkeit als Anwältin, sondern bleiben auch positiv und nachhaltig in Erinnerung.


7. Erkennen Sie, wann es Zeit ist, zu gehen, und setzen Sie den Kontakt individuell fort

Planen Sie Ihren Abgang und treffen Sie die dafür notwendigen Vorbereitungen. Achten Sie auf Anzeichen von Erschöpfung. Indem Sie gehen, bevor Ihr Akku leer ist, verringern Sie die Anspannung vor zukünftigen Veranstaltungen. Gehen Sie, nachdem Sie Ihre Ziele und bevor Sie Ihre Kapazitätsgrenzen erreicht haben. Dann ab diesem Zeitpunkt sind Sie nicht mehr in Bestform.

Setzen Sie Ihren Kontakt individuell fort und beeindrucken Sie zeitnah – am besten innerhalb von 72 Stunden nach dem Event – Ihren Gegenüber mit einer aufmerksamen Rückmeldung. Machen Sie sich nützlich und bieten Sie Ihren Gesprächspartnerinnen Mehrwert mit Bezug zur Unterhaltung. Ihre Mühe kommt regelmäßig nicht nur gut an. Sie zeigen zudem auch, dass Sie sich an die Person und das Gespräch erinnern und an der Fortsetzung des Kontakts interessiert sind. Außerdem positionieren Sie sich so als eine Person, die es sich zu kennen lohnt.


Fazit: Werden Sie auf Ihre Art zur erfolgreichen Netzwerkerin

Nutzen Sie in Zukunft diese Tipps, um Networking so zu gestalten, dass es für Sie passt, und Sie sich wohlfühlen. Trauen Sie sich und zeigen Sie, wer Sie sind, und was Sie ausmacht. Netzwerken darf locker und leicht sein – gerade für Sie als introvertierte Anwältin. Nutzen Sie Ihr Potenzial, und punkten Sie mit Ihrer Persönlichkeit. Dann wird der Auf- und Ausbau Ihrer Kontakte zu Ihrer ganz persönlichen Erfolgsgeschichte.





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Veranstaltungstipp passend zum Beitrag:

Virtueller FRAUENnetzwerkenTAG für Juristinnen am 29./30. Oktober 2021


Jetzt anmelden: https://anja-schaefer.eu/fnt/

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