Autor*in: Julia Torner
Feb. 08, 2021

Der Kaffee ist fertig – Wissenshappen zum beliebten Heißgetränk


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20. Oktober 2020

Wir Deutschen sind ein Volk von Kaffeetrinkern. Etwa 90% der  Erwachsenen genießen täglich im Schnitt drei Tassen Kaffee. Das sind  etwa 165 Liter pro Kopf im Jahr, mehr als eine Badewanne voll. Die  Spanne geht dabei vom Banausen, der in sein Instant-Käffchen  Kaffeeweißer aus der Tüte kippt, bis hin zum Hipster, der die exakte  Kaffeemenge in Gramm abwiegt und das heiße Mineralwasser (sic!) auf das Grad genau wohltemperiert über das braune Pulver gießt.

Wissen Sie, was Kaffee mit Ihrem Körper macht?

Der frisch gebrühte Kaffee am Morgen ist für Viele ein absolutes  Muss. Das Koffein macht uns wach und konzentriert. Ein paar Tage damit  auszusetzen, käme uns nicht in den Sinn. Es sei denn, wir sind erkältet,  liegen fiebrig im Bett und trinken nur Kamillentee. Dann merken es  Einige – ich zum Beispiel – jedoch recht schnell: die Abhängigkeit. Nach 1-2 Tagen Kaffeeabstinenz bekomme ich rasende Kopfschmerzen, die tatsächlich mit einer Tasse Kaffee wieder verschwinden.

Ich trinke meinen Kaffee immer direkt nach dem Aufstehen und habe  immer das Gefühl, dass er mich „weiterbringt“. Studien belegen jedoch,  dass das suboptimal ist, denn morgens wird im Körper auch viel Cortisol gebildet. Das Hormon vertreibt das Melatonin und macht wach. Dieser  Effekt wird beim Morgenkaffee durch das zugeführte Koffein noch  gesteigert. Ab einer gewissen Konzentration reagiert der Körper darauf  gestresst, was sich in Nervosität und erhöhter Infektanfälligkeit  niederschlägt. Zudem besteht die Gefahr, dass man eine Art  Koffeintoleranz entwickelt und somit immer mehr Kaffee benötigt, um eine  Wirkung zu verspüren. Am späten Vor- bzw. Nachmittag (ca. 10-11 Uhr  bzw. 14-17 Uhr) ist der Cortisol-Spiegel jedoch recht tief und der  Kaffeegenuss kann seine ganzen Vorteile entfalten.

Übrigens: Wer täglich ein paar Tassen Filterkaffee trinkt, macht quasi en passant eine Verjüngungskur, denn dem Heißgetränk wird ein Anti-Aging-Effekt nachgesagt.

Rösterei vs. Supermarkt – Ein paar Worte zur Bekömmlichkeit

Eine Voraussetzung für einen richtig leckeren, bekömmlichen Kaffee ist der Kauf von guten Kaffeebohnen direkt in einer Rösterei.

Gemahlener Kaffee, der wochenlang im Supermarkt-Regal stand, hat  durch Licht, Sauerstoff und Wärme schon einen Teil seines Aromas  verloren. Und wenn die Packung eine „magenschonende Röstung“ verspricht, so heißt das bei Supermarkt-Kaffee: mehrere Tonnen werden  2-3 Minuten bei 500-600 Grad Celsius geröstet. Eine gute Rösterei  hingegen versteht darunter eine Rösttemperatur von etwa 200 Grad Celsius  für 15-25 Minuten.

Diese sog. Langzeitröstungen sind nicht nur viel aromatischer,  sondern auch deutlich magenfreundlicher, weil durch den längeren  Röstvorgang mehr Säuren zersetzt werden. Den Qualitätsunterschied  schmeckt man besonders bei kaltem Kaffee: schnell gerösteter Kaffee ist  kalt quasi untrinkbar, während die Langzeitröstung wenigstens noch nach  Kaffee schmeckt.

Siebträger, French Press, Handfilter & Co. – Die Zubereitungsarten

Ob Vollautomat oder Handfilter, Siebträger oder French Press –  Zubereitungsarten gibt es viele und sie haben ihre individuellen Vor-  und Nachteile. Teure Markenmaschine oder schlichter Porzellanfilter? Ein  Vollautomat erzeugt nicht unbedingt den magenschonendsten Kaffee, ist aber schnell und auch für größere Mengen geeignet. Eine schicke Siebträgermaschine ist oft weitaus teurer, veredelt aber jede Küche und ist quasi ein  eigener Einrichtungsgegenstand. An dieser Stelle sei aber angemerkt,  dass man den eigentlichen Kaffee – also das Rohmaterial – mit einer  Luxus-Kaffeemaschine natürlich nicht besser macht. Wer also billige  Bohnen in einer teuren Maschine verarbeitet, spart am falschen Ende. Ein  einfacher Handfilter hingegen ist zwar meist nur für  1-2 Tassen auf einmal geeignet, aber dafür günstig, platzsparend und  kann überall mit hingenommen werden. Selbiges gilt auch für die French Press. Sie ist bekannt für einen äußerst aromatischen Kaffee, da die Kaffeeöle nicht vorher herausgefiltert wurden.

Tipp: Falls Ihr Bürokaffee nur mit viel Milch zu ertragen ist, kaufen  Sie sich einen Handfilter und Filtertüten für die Arbeit und bringen  Sie sich einfach einen guten, eigenen Kaffee mit. Ich habe das jahrelang  gemacht. In einigen Büros wird so GAR kein Wert auf guten Kaffee  gelegt, sondern abgestandener Industriekaffee aus Pumpkannen getrunken.  Klar, wer sich da Milch und Zucker reinkippt, schmeckt vom eigentlichen  Getränk ja auch nicht mehr viel. Aber: warum tut man sich das an?

Schwarz wie die Nacht

Kaffee wird meist mit Milch gestreckt oder mit Zucker gesüßt. Pur,  schwarz, schmeckt er nur den Wenigsten. Und auch ich trank jahrelang nur  Latte Macchiato. Doch als ich irgendwann keine Kuhmilch mehr trinken  wollte, mir Soya- und Mandelmilch im Kaffee nicht schmeckten, ich Hafer  noch nicht entdeckt hatte und die Kokosmilch auf Dauer zu fett war,  wollte ich etwas an meinen Kaffeetrinkgewohnheiten ändern.

Beim Besuch einer Berliner Rösterei schilderte  ich der Verkäuferin mein Anliegen. Ich empfand Kaffee ohne Milch immer  als zu bitter und suchte nun eine Sorte, die mir auch schwarz schmecken  würde. Die Verkäuferin betrat mit mir den Verkaufsbereich, wo  schätzungsweise um die 100 Kaffeesorten auf Käufer warteten. Sie  erläuterte mir das sog. Geschmacksprofil, also die  Skalen unter den Bezeichnungen der Kaffees, die verschiedene Werte  kennzeichneten: Röstgrad, Aromen, Komplexität, Körper, Nachgeschmack,  Fruchtigkeit, Balance und Crema. Dann empfahl sie mir drei verschiedene  Sorten und sagte, es sei wichtig, dass der Kaffee eine geringe Fruchtigkeit hat. So lernte ich, dass man auch beim Kaffee vom sog. Terroir spricht.  Das ist ein Begriff aus dem Weinanbau, der den u.a. durch Wetter,  Bodenbeschaffenheit und ortstypische Weiterverarbeitung geprägten  individuellen Charakter eines Kaffees kennzeichnet.

Praktischerweise gehört zu der Rösterei neben dem Shop auch ein Café,  wo man jede Sorte in der individuell bevorzugten Zubereitungsart  bestellen kann. Ich testete zwei der empfohlenen Sorten, begleitet von  einem Stück Kuchen. Beide Kaffees schmeckten – schwarz – ganz  phantastisch! Seither trinke ich den Kaffee zuhause nur noch schwarz und  mahle die Bohnen vorher frisch.

Wer also auch keine Lust mehr auf zusätzliche Milch (welcher Art auch immer) im Kaffee hat, sollte so ein Kaffee-Tasting auch mal machen. Ich würde mir aber immer Sorten mit wenig Fruchtigkeit  empfehlen lassen und nicht irgendwas blind testen. Klar,  Rösterei-Kaffee ist immer teurer als der im Supermarkt, aber eben auch  hochwertiger, deutlich schonender geröstet und….leckerer!

Man kann es auch übertreiben – Chi-Chi rund ums Kaffeekochen

Man kann aus dem Kaffeetrinken auch eine Wissenschaft machen. So  manch ein Hobby-Barista misst Kaffee und Wasser pro Tasse genau ab und  achtet auf die Temperatur des heißen Wassers ebenso wie auf dessen  Härtegrad. Ach ja, und der Mahlgrad der Handmühle sollte auch fein auf  die jeweilige Zubereitungsart abgestimmt sein, sonst verstopft der zu  fein gemahlene Kaffee womöglich die Filterporen. Ein paar Feinsinnige  wärmen übrigens sogar die Tasse vor. Ich gehöre nicht dazu, weil mein  Kaffee aus dem Handfilter direkt nach der Zubereitung ohnehin noch zu  heiß zum Trinken ist.

Die Oma hat das letzte Wort

Am Ende ist es natürlich Ihnen überlassen, Ihren Kaffee weiter so zu  trinken, wie Sie es gewohnt sind. Vielleicht lassen Sie sich aber auch  anregen, doch mal einen Gang in eine Rösterei in Ihrer Nähe zu wagen und  sich mal aus Ihrer geschmacklichen Komfortzone herauszutesten. Sollten  Sie dabei ein Aha-Erlebnis haben, lassen Sie es mich gern wissen. Wer  weiß, vielleicht stelle ich demnächst einfach auch mal wieder meinen  Kaffeekocher und das Milchkännchen auf den Herd und kredenze mir einen  schönen Latte Macchiato mit wunderbarem Schaum und einem Hauch Zimt. Und  so schließe ich mit den Worten meiner geliebten Großmutter, die vor dem  ersten Schluck in geselliger Runde immer rief: „Prost Kaffee!“

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