Autor*in: Dr. Anja Schäfer
Sep. 30, 2021

(BUSINESS) SMALL TALK FÜR ANWÄLT:INNEN – MÜHELOS UND ERFOLGREICH KOMMUNIZIEREN


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Solche Momente kennen Sie als Anwältin bestimmt auch: Sie treffen auf Networking-Veranstaltungen auf jemanden und wollen geistreich nett sein. Stattdessen schwirren Ihnen für eine gute Kommunikation eher hemmende Fragen durch den Kopf: Wie fange ich das Gespräch nur an? Was sage ich da nur wieder? Fällt mir etwas Kluges ein, um mein Gegenüber für mich zu gewinnen und bei dieser Person einen guten Eindruck zu hinterlassen?

Oftmals haben vor allen wir Frauen in diesen Situationen Angst vor einer Blamage. Wir fragen uns, ob das, was wir sagen, gut genug ist. Wir setzen uns unter Druck, etwas Relevantes oder gar etwas Witziges sagen zu müssen. Dies hemmt uns oder hält uns im Einzelfall gar davon ab, uns am Gespräch zu beteiligen.

Selbst ausgefuchste Kommunikationsexpert:innen unter uns mögen ihn mitunter überhaupt nicht oder erachten ihn gar als überflüssig: den Small Talk im (Anwalts-)Business.

Sie sollten deshalb nur einem Urteil vertrauen: dem Ihrer Gesprächspartner:innen. Denn unser meist negativer Blick auf das sog. kleine Gespräch resultiert allerdings sehr häufig aus den hohen Anforderungen und Ansprüchen, die wir als Anwältin an uns selbst haben.

Small Talk Situationen müssen jedoch nicht immer nur wie eben beschrieben verlaufen, sondern können sich auch kinderleicht und locker anfühlen oder gar sein. Wie Sie als Juristin „harmlose Plaudereien“ beim Networking oder auch beim Erstkontakt mit Mandant:innen mit einfachen Mitteln für sich nutzen können, wenn Sie sich nur trauen, sich immer mehr auf solche Gesprächssituationen einzulassen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Erfahren Sie im Folgenden 6 Erfolgstipps, wie auch Ihnen ab sofort der Small Talk im (Anwalts-) Business beinahe mühelos gelingt, um auf diese Weise nicht nur eine gute Atmosphäre zu schaffen, sondern vor allem gute „kurze“ Gespräche mit Potential zu führen.



1. Ihr erster Eindruck zählt: nicht das Gesagte ist entscheidend, sondern die Wirkung

Für Ihren ersten Eindruck ist nicht entscheidend, was Sie sagen, sondern wie Sie es sagen. Small Talk beim Netzwerk-Stehempfang oder auch der erste Austausch mit neuen „Laufkundschaft-Mandant:innen soll ja nur kurz in puncto Dauer, Gesprächstiefe und/oder Fachrelevanz sein, keinesfalls jedoch „klein“ an Respekt, Wertschätzung oder Interesse am Gegenüber.

Auch wenn Sie es als Anwältin auf den ersten Blick nicht wahrhaben wollen: Ihre Erscheinung und Ihr Auftreten sind in der Anfangsphase meist wichtiger als der eigentliche Inhalt des Gesprächs per se. Es ist daher maßgeblich, dass dieser Inhalt mit Ihrer Außenwirkung übereinstimmt. Seien Sie sich bewusst, dass Sie immer kommunizieren. Und zwar auch dann, wenn Sie bewusst gar nicht kommunizieren, also nicht sprechen. In dem Falle kommunizieren Sie trotzdem und dies meist unbewusst, sei es durch Ihre Körpersprache, Gestik und/oder Mimik. 85 % der Kommunikation, die Ihr Gegenüber erreicht, erfolgt nonverbal. Achten Sie daher immer (mehr) darauf, dass Ihre nonverbale Kommunikation – nicht nur beim Small Talk – Ihren Aussagen nicht widerspricht.



2. Machen Sie sich Ihre Haltung bei Gesprächsbeginn bewusst

Wir unterschätzen häufig bei einem Erstkontakt, wie sehr die eigene Haltung die Art und Weise, mit der wir nicht nur auf Netzwerkveranstaltungen in den Austausch gehen, beeinflussen kann. Es hängt von Ihnen ab, wie der erste Kontakt verläuft und ob dieser auch noch später sein Potential ausspielen kann und wird.

Hinterfragen Sie für sich Ihre Einstellung zu Networking und/oder Small Talk. Denn genau diese kommunizieren Sie – bewusst oder unbewusst – verbal oder nonverbal. Beobachten Sie sich selbst, und nehmen Sie eine kommunikationsstärkende Haltung nach der Devise „Das Glas ist halbvoll, nicht halbleer“ ein. Verzichten Sie nicht auf eine gute Vorbereitung bestimmter Gesprächssituationen. Das verleiht Ihnen zum einen Sicherheit und ist zum zweiten meist ein nicht zu unterschätzender erster Schritt in Richtung einer erfolgreichen Kommunikation. Machen Sie sich zudem – nicht nur – in diesen Momenten immer wieder klar, wer Sie sind, und was Sie erreichen wollen.



3. Planen Sie Ihren idealen Einstieg in ein „kleines Gespräch“

„Mein Name ist Bond – Rechtsanwältin Jane Bond!“ Wer kennt diesen – hier etwas angepassten – Satz nicht? Und genau wie diese „Leinwandheldin der Zukunft“ sollten auch Sie Ihr Gespräch beginnen: mit Ihrer namentlichen Vorstellung und (wann immer es passt) der Angabe Ihres Titels – vor allem bei einem Erstkontakt. Starten Sie dann am besten in den Small Talk mit einer offenen Frage. Laden Sie Ihre Gesprächspartner:innen dazu ein, diese im Einzelfall etwas ausführlicher zu beantworten.

Grundsätzlich kann fast jedes Thema ein gutes, aber auch ein schlechtes für Small Talk-Momente sein. Meist kennen Sie Ihr Gegenüber zu diesem Zeitpunkt noch nicht oder eben noch nicht gut genug, um die Relevanz von Themen einschätzen zu können. Damit Sie nicht immer bspw. auf das Wetter zurückgreifen müssen, sollten Sie das Gespräch nicht nur mit einer offenen Frage beginnen, sondern solche immer wieder im Verlauf stellen. Denn diese lassen sich eben nicht nur „Ja.“ oder „Nein.“ beantworten, sondern im Idealfall mit deutlich mehr Worten.

Machen Sie sich als Anwältin immer wieder bewusst, dass es beim Small Talk nicht vorrangig um inhaltliche Tiefe oder eine intensive Diskussion bestimmter Sachthemen geht. Ziel ist dabei vielmehr, die persönliche Beziehung etwas „anzuwärmen“ und einen ersten Eindruck vom Gegenüber, besonders bei einem Erstkontakt, zu gewinnen. Im Fokus steht das Finden von Gemeinsamkeiten. Jede Gesprächsperson will für sich herausfinden, ob sich aus diesem „kurzen“ Gespräch mehr entwickeln kann, und ob bzw. wie der nächste Schritt in puncto Kontaktaufbau gegangen werden soll.

Achten Sie auch darauf, dass beim Small Talk der Redeumfang grundsätzlich ausgewogen ist. Dieses Format sollte nicht in einem Monolog „enden“, weder für Sie noch für Ihr Gegenüber. Besonders Anwältinnen sollten sich darauf fokussieren, dass der erste Austausch mit einem Mann, die sich im Businesskontext manchmal einfach gern reden hören, einem Dialog nahekommt, von dem später im idealen Fall beide profitieren.



4. Nutzen Small Talk als typische Aufwärmphase nicht nur beim Erstkontakt

Sehen Sie Small Talk als typische Aufwärmphase, bei dem für den Moment der Fokus auf der Beziehung respektive auf dem Beziehungsaufbau zu Ihrem Gegenüber und eben nicht vorrangig auf der Sache liegt. Solche Momente haben Sie in der Vergangenheit sicher schon häufiger in Ihrem Alltag als Anwältin gemeistert, ohne dass Sie diese bewusst als Small Talk wahrgenommen haben. Diese „harmlose Plaudereien“ mit Ihnen bereits bekannten Personen können Sie dafür nutzen, dem was folgt (wie bspw. eine spätere Anfrage oder Anweisung) den „idealen Weg“ zu bereiten. Denn es ist immer zielführend, bereits bestehende Beziehungen (wie bspw. mit Mandant:innen oder Kolleg:innen) durch einen kurzen Austausch „aufzuwärmen“, bevor Sie auf das, was Sie tatsächlich erreichen wollen, zu sprechen kommen.



5. Wichtige Tools beim Small Talk: Bewusst zuhören und Neugier

Um nicht nur ein „kleines Gespräch“ – sondern eben jedes – am Laufen zu halten, gibt es einen ganz simplen Trick: Seien Sie neugierig auf Ihr Gegenüber, und hören Sie aktiv zu. Ein erfolgreicher Small Talk gelingt nicht mit Floskeln, sondern mit ehrlichem Interesse am Gegenüber und seinen/ihren Themen.

Durch offene Fragen, die Sie Ihren Gesprächspartner:innen stellen, laden Sie diese so, sich in Ihrem Beisein wohlzufühlen, mehr von sich zu erzählen oder über für sie wichtige Aspekte zu sprechen. Schenken Sie Aufmerksamkeit durch Ihre Wertschätzung und gewinnen Sie so das Interesse Ihres Gegenübers.

Durch Ihr bewusstes Zuhören, Nicken, Kommentare oder weitere Fragen halten Sie beinahe jedes Gespräch am Laufen. Es geht allerdings nicht darum, dass Sie als Anwältin so viele Informationen wie möglich von Ihrem Gegenüber erfahren oder auch über sich selbst zu berichten. Viel wichtiger ist es, herauszufinden, ob Gemeinsamkeiten bestehen oder bestehen können, und ob eine Sympathie besteht. Nur dann wird ein „kleines Gespräch“ zur Voraussetzung für einen weiteren – im Einzelfall auch ausführlichen – Austausch.

Wollen Sie beim Small Talk smart vorgehen und einen lockeren Austausch erreichen, bei dem sich Ihr Gegenüber – und Sie natürlich auch – wohlfühlt? Dann setzen Sie auf Ihre Neugier. Nutzen Sie damit ein Kommunikationstool, was Gespräche „leicht“ macht.

Seien Sie nicht zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Fragen Sie sich beim Austausch nicht fortlaufend, ob Sie die richtigen Themen wählen oder Ihre Körpersprache stimmig ist. Diese Gedanken halten Sie davon ab, Ihren Fokus auf Ihr Gegenüber zu richten und von dieser Person etwas zu erfahren, Gemeinsamkeiten zu entdecken oder einfach eine gute Zeit zu verbringen. Nur so finden Sie heraus, ob es sich für Sie lohnen kann, mehr Zeit in den jeweiligen Kontakt zu investieren.



6. Sprechen Sie auch über sich und Ihre Expertise

Was Sie sich als Frau allerdings immer wieder bewusst machen müssen, dass es beim Small Talk nicht nur darauf ankommt, eine gute Gesprächsatmosphäre zu schaffen und Einiges über Ihr Gegenüber in Erfahrung zu bringen. Für Sie als Anwältin ist wichtig, dass Sie über sich und Ihre Expertise sprechen. Dies gilt ganz besonders beim Austausch mit einem Mann. Da erlebt Frau mitunter, dass sie nicht wirklich zu Wort kommt, besonders dann wenn sie viele Fragen stellt. Stellen Sie Ihrem Gegenüber die „Redebühne“ nicht allein zur Verfügung. Warten Sie nicht ab oder auf Fragen Ihres Gegenübers. Ergreifen Sie proaktiv das Wort und sprechen Sie über sich.

Gewähren Sie Ihrem Gegenüber einen ersten Blick auf Ihre Expertise. Nur so vermögen letztendlich Ihre Gesprächspartner:innen wiederum einzuschätzen, ob es sich auch für diese lohnt, weiterhin Zeit und Energie in diesen Kontakt zu investieren. Denn Kontakte mit (Gesprächs-)Potential hat schließlich jede:r gern im Netzwerk.



Fazit

Ein gelungener Small Talk ist für Sie als Anwältin der beste Einstieg in erfolgreiches Networking nicht mit bis dato unbekannten potentiellen Mandant:innen, sondern beinahe jeder Person. Ein zwangloser Austausch schafft eine gemeinsame Basis, auf welcher vieles entstehen kann. Gelegenheiten dafür gibt es viele. Alles, was Sie dafür brauchen, ist etwas Mut. Mit den beschriebenen Tipps gelingt es auch Ihnen ab sofort, „kleinen Gespräche“ locker zu starten, auf angenehme Weise am Laufenden zu halten, dabei mit der eigenen Expertise sichtbar zu werden und zudem noch  Gemeinsamkeiten – die beste Voraussetzung für einen weiteren Austausch – zu entdecken.

Betreiben Sie zudem regelmäßig Small Talk in Ihrem vertrauten anwaltlichen Arbeitsumfeld mit Menschen, die Sie bereits gut kennen. Durch ein „kleines“ Gespräch lassen sich vermeintliche Distanzen schnell überwinden – einfach nur zum Spaß oder eben auch gezielt.









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Veranstaltungstipp passend zum Beitrag

Virtueller FRAUENnetzwerkenTAG für Juristinnen am 29./30. Oktober 2021



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