Autor*in: Dr. Anja Schäfer
März 29, 2022

Als Anwältin mit der eigenen Expertise im Netz(-werk) sichtbar werden, sein und bleiben


Als Anwältin mit der eigenen Expertise im Netz(-werk) sichtbar werden, sein und bleiben

Mit der eigenen Expertise im Netz wie im Netzwerk sichtbar zu werden, kostet Mut, sowohl als angestellte als auch als selbstständige Anwältin. Die Angst vor Gegenwind ist vor allem in Bezug auf die sozialen Netzwerke groß. Dies sollte jedoch Sie als Juristin nicht davon abhalten, Ihre Expertise und Ihre Meinung in die analoge wie virtuelle Welt zu tragen. Denn eines ist klar: Egal welchen Standpunkt Sie vertreten, es wird immer Personen geben, die anderer Meinung sind.

Warum ist es so wichtig, dass Sie immer wieder mit Ihren fachlichen Themen, Ihrer anwaltlichen Expertise sowie Ihrer Persönlichkeit in die Sichtbarkeit gehen, und es nicht den anderen überlassen, über Ihre Themen und damit auch über Sie zu sprechen? Erfahren Sie meine drei wichtigsten Gründe. Außerdem lesen Sie, wie Sie mit Kritik von anderen umgehen, und warum Ihr Außenauftritt nicht perfekt sein muss.


1. Sie entscheiden, wie Sie im Außen wahrgenommen werden

Wenn Sie in die Sichtbarkeit gehen, haben Sie es in der Hand, was die Welt von Ihnen erfährt und was eben nicht. Sie bestimmen, welche Themen Sie ansprechen, welche Teile Ihrer Persönlichkeit Sie zeigen, und auch welche Aspekte Ihrer persönlichen Geschichte Sie mit anderen im Netzwerk wie auch im Netz und damit in den sozialen Medien teilen. Sie entscheiden, was erzählt wird und auch die Art und Weise, wie es übermittelt wird. So beeinflussen Sie, welches Bild Ihr Netzwerk von Ihnen bekommt, und auch welche persönlichen öffentlich werden (und damit auch welche eben nicht). Meine ganz klare Empfehlung lautet daher: Überlassen Sie Ihre Außenwahrnehmung nicht anderen, sondern nehmen Sie Ihre Sichtbarkeit von jetzt an selbst in die Hand. Bestimmen Sie Ihre Story und beeinflussen Sie aktiv, wie Sie wahrgenommen werden (wollen).


2. Werden Sie Botschafterin für die Themen oder Dinge, die Ihnen wichtig sind

Nutzen Sie jede Gelegenheit, die sich Ihnen bietet, um als Expertin Ihrer Themen sichtbar zu werden, zu sein und zu bleiben. Denn immer dann, wenn Sie sich als Person und Botschafterin für Ihre Sache stark machen, dann bestimmten Sie nicht nur Ihr Narrativ. Sie erweitern Ihr Netzwerk und treten mit Gleichgesinnten, und damit mit den Personen, die sich ebenso dafür interessieren, in den Austausch. Daher ist es wichtig, dass Sie genau mit den Themen in die Sichtbarkeit gehen, die Ihnen wichtig sind. Dies gilt für Selbstständige gleichermaßen wie für Angestellte. Denn auch als Arbeitnehmerin werden Sie nur dann als Expertin auf Ihrem Gebiet wahr- und ernstgenommen, wenn Sie entsprechend sichtbar sind.


3. Nutzen Sie die Möglichkeit, Veränderungen anzustoßen

In die Sichtbarkeit zu gehen, bedeutet auch, Dinge zu beeinflussen und in Bewegung zu setzen. Dies gilt vor allem dann, wenn Sie authentisch herüberkommen. Insofern Sie Ihre Expertise glaubwürdig nach außen hin darstellen, wird Ihren Worten – was sicher die eine oder andere manchmal überrascht – auch entsprechend Gewicht verliehen. Denn dadurch positionieren Sie sich als Expertin und ziehen andere Menschen in Ihr Netzwerk. Und genau bei diesen haben Sie die Möglichkeit, Veränderungen anzustoßen und sie auf ihrem Weg voranzubringen. Sie werden sozusagen als Rolemodel wahrgenommen. Und als dieses haben Sie die Möglichkeit und den Einfluss – oder eben auch anders formuliert: die Macht, etwas im Kleinen oder gar im Großen positiv zu verändern.

Daher ist es umso wichtiger, dass die Welt von Ihren Themen erfährt. Schreiben Sie Ihre Erfolgsgeschichte, indem Sie als Expertin sichtbar sind und Ihre Expertise, Ihre Themen, Ihr Tun immer wieder sichtbar machen. Denn das motiviert nicht nur Sie, sondern auch andere.


Sichtbar sein, heißt diskutierbar zu sein

Nachdem Sie erfahren haben, warum es so wichtig ist, in die Sichtbarkeit zu gehen, geht es nun um die damit einhergehenden und nicht immer im Einzelnen vorhersehbaren Herausforderungen. Sich der Öffentlichkeit zu zeigen, macht Sie angreifbar. Nicht jede Person wird Ihre Sichtweise zu einem bestimmten Thema teilen. Einen gewissen Gegenwind gilt es auszuhalten.

Das Gute ist jedoch, dass es auf diese Menschen in den meisten Fällen gar nicht ankommt. Überlegen Sie sich, welchen Mandant:innen Sie unterstützen oder mit welchen Kooperationspartner:innen Sie zusammenarbeiten wollen. Sehen Sie Ihre Expertise als ein Angebot, dass Ihr Gegenüber annehmen kann oder aber auch nicht. Fokussieren Sie sich auf diejenigen, die Ihre anwaltliche Unterstützung oder sonstige rechtliche Begleitung wollen oder brauchen. Freuen Sie sich über die positiven Rückmeldungen, die Sie bekommen, und geben Sie diesen mehr Gewicht als den negativen. Für die eigenen Themen einzustehen, bedeutet immer auch, einen gewissen Gegenwind aushalten zu müssen.

Natürlich gibt es auch Situationen, in denen die Reaktionen der anderen (wie bspw. ein Shitstorm) nicht mehr passen. Hier gilt es, ganz klar die eigenen Grenzen zu definieren und diese anderen klar zu setzen. Zeigen Sie Haltung und bestimmen Sie auch hier die Agenda. In den Businessnetzwerken wie LinkedIn oder XING ist glücklicherweise bislang nur selten nötig.


Verzichten Sie auf Perfektion

In puncto Sichtbarkeit geht es nicht um Vollkommenheit. Sie brauchen keinen vollkommenen Expertinnenstatus oder makellosen Außenauftritt, um zu starten, denn Perfektion hemmt. Bleiben Sie authentisch, und lassen Sie die Menschen aus Ihrem Netzwerk an Ihrem Entwicklungs- und Erfahrungsprozess teilhaben. Das bringt Ihnen zum einen Sympathiepunkte ein. Zum anderen verlieren Sie nicht unnötig Zeit mit der regelmäßig zeitaufwendigen, umfangreichen Ausarbeitung Ihres „perfekten“ (LinkedIn-)Profils und Ihrer perfektionierten Themen.

Starten Sie einfach! Probieren Sie Dinge aus, und optimieren Sie Ihre Außendarstellung nach und nach. Nutzen Sie die Rückmeldungen aus Ihrem Netzwerk wie auch hin und wieder von Expertinnen (wie bspw. im Rahmen eines LinkedIn-Strategie-Coachings) zur Optimierung Ihrer Sichtbarkeit als Anwältin. Deren in den allermeisten Fällen positives Feedback hilft Ihnen dabei, motiviert dranzubleiben, auch bei Gegenwind weiterzumachen und immer wieder den nächsten Schritt zu gehen. Auf diese Weise werden Sie nicht nur sichtbar, sondern werden es auch bleiben. Zeigen Sie also der Welt, wer Sie als Person sind, worin Ihre Expertise besteht, und für welche Themen Sie stehen.


_____________________________________________________

Anzeige

Passende Veranstaltung

FRAUENnetzwerkenTAG für Juristinnen


Jetzt anmelden


_____________________________________________________

Newsletter


Newsletter & Infobriefe

Die Anwaltspraxis Wissen Newsletter & kostenlosen PDF Infobriefe halten Sie in allen wichtigen Kanzlei-Themen auf dem Laufenden!

Kostenlos anmelden!